herMoney: Wenige Unternehmen bieten proaktiv ihren Angestellten eine Finanzberatung an. Wir reagieren die Frauen darauf, sagt man ihnen doch nach, dass sie sich nicht für Finanzthemen interessieren?

Christina Oster-Daum: Wir bieten eine betriebliche Altersvorsorge an und übernehmen bis zu einer bestimmten monatlichen Höhe den gleichen Betrag, den die Arbeitnehmer einzahlen. Die Beratung läuft über Finanzberater und wird sehr rege in Anspruch genommen. Wichtig ist den Frauen, dass das Gespräch auf Augenhöhe geführt wird, nicht von oben herab und schon gar nicht mit Vokabeln, die einem das Gefühl geben keine Ahnung zu haben.

herMoney: Deshalb haben wir herMoney gestartet, da wir finden, dass Frauen von der Finanzbranche und Beratern insbesondere nicht richtig angesprochen werden. Was bedeutet Geld denn für Sie?

Christina Oster-Daum: Geld bedeutet für mich nicht per se etwas. Erst in dem, was Geld ermöglicht, bekommt es einen Wert. Und dazu gehört neben der Möglichkeit, weiter in unser Unternehmen zu investieren, für mich vor allem die Möglichkeit, schöne gemeinsame Erlebnisse mit meiner Familie und Freunden zu teilen. Und auch die Möglichkeit, andere zu unterstützen, die wenige Möglichkeiten im Leben haben. Daher unterstützen wir als Unternehmen wie auch privat Initiativen, die Frauen und Mädchen Zukunftschancen ermöglichen.

herMoney: Wie legen Sie Ihr Geld privat an?

Christina Oster-Daum: Privat habe ich mein Geld hauptsächlich in zwei Häusern angelegt. Eines in Deutschland und eines in Spanien, der Heimat meines Mannes. Ein schönes Zuhause als Treffpunkt ist sehr wichtig für mich.

Insgesamt bleibt die Investitionspriorität aber weiterhin im Unternehmen, so dass die private Anlagefrage aktuell nicht akut für mich ist.

herMoney: Heißt dass, Sie trennen Ihren privaten Vermögensaufbau nicht von Ihrem Unternehmen? Ist das nicht riskant?

Christina Oster-Daum: Wir haben eine eigene Altersvorsorge und unsere Immobilien. Wichtig ist uns, dass wir keinen hohen Privatentnahmen machen, sondern wieder in das Unternehmen investieren. Das klingt nach Klumpenrisiko, was wir über eigenständige Firmen für einzelne Geschäftsbereiche minimieren. Außerdem glauben wir fest an das weitere Zukunftspotential von cosnova und sehen unsere primäre Investition in unser Unternehmen daher als gewinnbringende Option.

herMoney: Was war Ihre beste Anlage bzw. Ihre schlechteste?

Christina Oster-Daum: Die beste Anlage: Die Investition in ein schönes Zuhause und ein schönes Büro. Das gibt mir jeden Tag das Gefühl, gerne dort zu sein. Die schlechteste Anlage: Nach meinem Studium hatte ich eine kurze Erprobungsphase an der Börse. Nach anfänglichen Erfolgen bin ich am Ende mit einem Verlust ausgestiegen. Seitdem vertraue ich in Sachen Geldanlage den Spezialisten.

herMoney: Sie sind eine mutige Frau, haben Sie trotz anfänglicher Verluste den Weg zurück an die Börse gefunden?

Christina Oster-Daum: Das habe ich, allerdings mit Hilfe eines Beraters und primär über Investmentfonds. Ich habe gelernt, dass ich nicht schlauer bin als die Börse. Ich kann Kosmetik, mein Berater kann Geldanlage. Privat bin ich wenig risikofreudig bei der Geldanlage. Unternehmerisch kann ich meine Kompetenzen besser einschätzen und bin daher viel eher bereit, aus meiner Sicht kalkulierbare Risiken einzugehen.

herMoney: Welche Rolle spielt Geld in Ihrer Ehe/Partnerschaft?

Christina Oster-Daum: Für meinen Mann und mich ist es selbstverständlich, über finanzielle Dinge zu sprechen. Das gleiche gilt für erst einmal unangenehme Themen wie ein Testament oder eine Pflegevereinbarung. Wir haben diese Themen seit einigen Jahren für uns geregelt und überprüfen die Vereinbarungen in regelmäßigen Abständen. Solche Themen und Gespräche können eine Herausforderung für eine  Beziehung sein. Aber gute Beziehungen müssen und können das aushalten!

herMoney: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Oster-Daum.

 

 

Christina Oster-Daum ist Gründerin und Geschäftsführerin der cosvnova GmbH.

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Anne Connelly ist die Gründerin von herMoney und eine Pionierin und Top-Managerin der Investmentfondsbranche. Sie wundert sich bis heute, warum sich so wenige Frauen aktiv um ihre Finanzen kümmern und möchte das mit herMoney ändern.

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