Mit dekorativer Kosmetik zum Welterfolg? Christina Oster-Daum verrät ihr Erfolgsrezept und sagt, wie sie Frauen als Chefin unterstützt.

herMoney: Ihr Unternehmen cosnova sagt unseren Leserinnen wenig. Ihr Marken „essence“, „Catrice“ und „L.O.V“ sind dafür umso bekannter. Was hat Sie 2001 dazu veranlasst, Ihren festen Job bei einem etablierten Unternehmen aufzugeben und cosnova zu gründen?

Christina Oster-Daum: Dekorative Kosmetik galt lange als Luxus. Und wenn sie erschwinglich war, dann waren sowohl Verpackung als auch Inhalt wenig ansprechend. Mein Ziel war es, dass sich alle Frauen mit Hilfe von Make up noch schöner fühlen können. Und dafür wollte ich qualitativ hochwertige und innovative Kosmetikprodukte zu einem  bestmöglichen Preis-Leistungsverhältnis anbieten.  Da mein damaliger Arbeitgeber die Einführung eines solchen Konzepts nicht unterstützt hat, habe ich mich entschlossen, diese Chance in eigener Regie zu nutzen. Wenig später ist mein Mann als Miteigentümer zu cosnova gekommen, was sich bis heute beruflich wie privat als erfolgreiche Konstellation herausgestellt hat.

herMoney: Um ein Unternehmen zu gründen, das Kosmetikprodukte herstellt und an den Massenmarkt verkauft, braucht man viel Startkapital. Wie haben sie das beschafft?

Christina Oster-Daum: 2001 war gerade die erste Internetblase geplatzt und Banken wie Investoren waren extrem vorsichtig mit neuen Investitionen. Glücklicherweise konnte ich unseren ersten und heute noch größten Kunden dm von der Listung unserer ersten Marke essence überzeugen. Und diese Listung wiederum hat dazu geführt, dass meine Vorlieferanten gemeinsam mit mir in Vorleistung gegangen sind. Daher konnte ich cosnova glücklicherweise ohne Fremdfinanzierung oder Investoren gründen. Das haben wir uns bis heute bewahrt: Wir finanzieren unser Wachstum mit eigenen Mitteln und cosnova befindet sich zu 100% im Familieneigentum.

herMoney: cosnova erzielte 2016 einen Nettoumsatz von € 361 Millionen mit 350 Mitarbeitern und einem weltweiten Vertriebsnetz. Das sind beeindruckende Zahlen. Was ist der Ausschlag für Ihren unternehmerischen Erfolg?

Christina Oster-Daum: Ein klarer Erfolgsfaktor ist unsere unbedingte Konsumentenorientierung, die wir von Beginn an in den Mittelpunkt unseres Handelns gestellt haben. Wir orientieren uns immer an den Bedürfnissen der Konsumenten und versuchen, Ihnen das, was sie sich wünschen, zur richtigen Zeit, in bestmöglicher Qualität und zum niedrigsten möglichen Preis anzubieten. Dazu müssen wir schneller und flexibler als unsere Wettbewerber sein und auch schon mal Risiken eingehen, was in einem familiengeführten Unternehmen sicher leichter möglich ist.

herMoney: Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur?

Christina Oster-Daum: Sie ist für unseren Erfolg extrem wichtig. Wir sehen unsere Mitarbeiter nicht als Ressourcen sondern als Menschen, mit denen wir gemeinsam sehr viel erreicht haben und noch viel erreichen wollen. Mut und Vertrauen prägen unsere Zusammenarbeit, bei der wir viele Dinge, die in unserer Branche als gesetzt galten, erfolgreich anders machen.

Neben einer schönen Arbeitsumgebung, gutem Essen und einem Fitnessstudio bieten wir übrigens auch eine betriebliche Altersvorsorge für unsere Mitarbeiter an  – inklusive der Beratung in eigenen Vermögensangelegenheiten. Und bei einem Frauenanteil von 85% liegt es uns sehr am Herzen, dass Mütter, die nach der Elternzeit wieder bei uns einsteigen wollen, sich eine gute Betreuung für ihre Kinder leisten können.

herMoney: Wie unterstützen Sie Frauen beim Wiedereinstieg?

Christina Oster-Daum: Wir übernehmen – je nach Dauer bis zur Rückkehr – bis zu 70 Prozent der Betreuungskosten, bis die Kinder das Grundschulalter erreicht haben. Das ist uns sehr wichtig, da Frauen sich oft eine gute Kinderbetreuung nicht leisten können und dann dem Beruf fern bleiben, obwohl sie gerne wieder einsteigen möchten. Das gilt für alle Angestellten, ungeachtet der Tätigkeit oder der Position bei cosnova.

Bei einer Rückkehr nach 6 Monaten versuchen wir, die vorherige Stelle freizuhalten, damit unsere Mitarbeiterinnen neben der neuen privaten Situation sich nicht auch noch beruflich neu einfinden müssen. Dabei haben wir festgestellt, dass die Tatsache, wie schnell Mitarbeiterinnen wieder in den Job zurückkehren, sehr stark kulturell bedingt ist. Bei cosnova in Sulzbach beschäftigen wir Mitarbeiter aus mehr als 20 Nationen. Den größten Anteil nehmen dabei französische Kolleginnen ein. Vermutlich keine Überraschung in der Kosmetikbranche. Die Französinnen in unserem Unternehmen kehren i.d.R. nach 6 Monaten in Vollzeit zurück. Deren Freundinnen in Frankreich fragen dann, ob sie zuhause faulenzen, da eine Rückkehr in Frankreich nach 2 Monaten üblich ist. Gleichzeitig haben die deutschen Kolleginnen oft damit zu kämpfen, dass Ihnen die Frage gestellt wird, warum sie denn Kinder bekommen, wenn sie weiter arbeiten wollen.

herMoney: Nicht viele deutsche Unternehmen bieten eine solch großzügige Leistung an. Rechnet sich das denn?

Christina Oster-Daum: Wir sind der Meinung, dass die Investition sich lohnt! Tolle Mitarbeiterinnen kommen schnell wieder in ein für sie angenehmes Arbeitsumfeld und bereichern uns mit ihren Kenntnissen. Dann sind beide happy!

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