Unsere Kolumne handelt von Geldgeschichten, die wir Frauen erleben. Dieses Mal: Finanzplanung als Hobby? Wie verrückt ist das denn?

„Dass Du Dich mit Finanzen beschäftigst, finde ich echt irre“, sagte neulich eine Freundin zu mir. Wir waren zum Essen verabredet und nach dem üblichen Erzählen kamen wir auf unsere Jobs zu sprechen – und damit auch zum Thema Geld. „Wieso irre?“, fragte ich erstaunt. „Na ja, ich kenne sonst kaum Frauen, die sich dafür interessieren!“

Das sollten sie aber, dachte ich bei mir. Und dann ging ich in Gedanken mal ein paar Freundinnen durch. Die eine ist Psychologin, die andere Juristin, eine dritte Personalchefin in einem großen Konzern. Sie sind selbstbewusst, hoch qualifiziert und politisch interessiert. Aber Geld? Interessiert sie nicht wirklich. Klar, sie sind stolz auf ihre Karrieren und stolz darauf, gutes Geld zu verdienen. Aber die Freizeit mit Geldanlage zu verbringen, käme ihnen nicht in den Sinn.

Dann sehe ich meine Oma vor mir: „Du musst immer finanziell unabhängig sein, du musst einen Führerschein machen und ein eigenes Auto haben!“ Das hat sie mir schon eingetrichtert, als ich noch ein kleines Kind war. Meine Oma durfte früher nicht arbeiten. Der Opa und vor allem die Uroma haben es ihr mit Nachdruck verboten – sie werde sonst zum Schandfleck der Familie. Erst nach dem Tod der beiden war der Weg frei. Meine Oma war knapp 50, als sie als Verkäuferin in einem Kurzwarenladen ihr erstes eigenes Geld verdiente und ihr Leben so richtig begann. Sie blühte auf und arbeitete weit über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus. Arbeit und Geld schafft Freiheit – das hat sich bei mir so eingebrannt. Vielleicht rührt daher mein Interesse an Finanzen?

Meine Freundin hörte aufmerksam zu. Erfolg im Job und Geld verdienen ist für sie selbstverständlich. Sie hat Medizin studiert und führt als Internistin seit acht Jahren eine eigene Praxis in Düsseldorf. Sie hat zwei Angestellte und sie verdient mehr als ihr Mann, der im Management eines Konzerns arbeitet. All das bekommt sie bestens gestemmt – aber die Geldanlage? „Das interessiert mich null und ich kenne mich auch überhaupt nicht aus.“


Zugegeben, ihre finanzielle Situation ist beneidenswert. Die Praxis brummt, die Einnahmen sprudeln und sie ist sehr gut gegen Risiken abgesichert – auf Drängen ihres Vaters hat sie direkt nach dem Studium eine Berufsunfähigkeits-Versicherung abgeschlossen. Sie hat die Praxis gekauft und wohnt in den eigenen vier Wänden – sie kann es sich also leisten, sich nicht um ihr Geld zu kümmern.

Aber macht es Sinn, ein Vermögen auf dem Tagesgeldkonto anzuhäufen, das kaum verzinst wird und durch Inflation an Kaufkraft verliert?  Dass Geldanlage nicht zu ihrem Hobby wird: geschenkt! Muss es auch nicht. Zu kompliziert aber lasse ich nicht gelten. Sie lacht. Durchschaut – sie sei einfach zu faul. Nun lache ich. „Gut, dass es nicht nur gute Ärztinnen, sondern auch gute Finanzberaterinnen gibt, die diesen Job für Dich übernehmen können!“

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Birgit Wetjen, herMoney

Birgit Wetjen leitet die Redaktion von herMoney.de. Die Volkswirtin, Finanzjournalistin und Buchautorin ist überzeugt: Geldanlage ist nicht weiblich oder männlich – aber Frauen haben Berührungsängste und gehen anders an Geldthemen ran!

 

 

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