Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt? Weit gefehlt, sagt Gender-Forscherin Dr. Elke Holst vom DIW. Im Interview sagt sie, wo es hakt!

herMoney: Sie sind als Ökonomin auf Gender-Themen spezialisiert. Kann man sich mit dieser Ausrichtung Sporen verdienen – oder wird man in der Fachwelt eher belächelt?

Dr. Elke Holst: (lacht) Mit Gender Forschung lässt sich als Ökonom*in eher kein Blumentopf gewinnen, aber es wird eindeutig besser.

Schön, dass Sie sich dem Thema dennoch gewidmet haben. Was hat Sie damals motiviert?

In den 70erJahren begannen Frauenthemen en vogue zu werden. Da gab es auch viele Frauendemos. Aber im Job später sah das anders aus. In dieser „wirklichen“ Welt kamen Frauen in höheren Positionen kaum vor. Ich habe Volkswirtschaft studiert und in meinem Abschluss-Jahrgang waren gerade einmal zehn Prozent Frauen. Entsprechend sah es in den Unternehmen aus. Bei meinem ersten Arbeitgeber, der damaligen Dresdner Bank, spürte ich dann schnell, was mir bevorstehen würde.

Haben Sie sich dort schon für Gender-Themen eingesetzt?

Nein, ich habe kurzerhand gekündigt, noch ein paar weitere berufliche Erfahrungen gesammelt und bin dann nach Guatemala gezogen. Dort habe ich eine Strandbar eröffnet. Eine spannende Erfahrung, aber nach einem Jahr zog es mich zurück.

1987 haben Sie als Volkswirtin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung angefangen. Wann haben Sie spürbares öffentliches Interesse an Gender-Themen gespürt?

Das Thema kam in Wellen. Nach der Jahrtausendwende klopfte eine Abteilungsleiterin aus dem Frauenministerium bei mir an und bat mich, mehr Informationen zu Frauen in Führungspositionen bereitzustellen. Es gab damals noch keine validen Zahlen und aus den Unternehmen hörte man nur, es gäbe doch schon so viele Frauen in Top-Positionen. Wir haben dann seit 2005 den Indikator Frauen in Vorstands- und Aufsichtsräten veröffentlicht und mit dem Managerinnen-Barometer sowie dem Führungskräfte-Monitor das Gegenteil gezeigt.

Das Managerinnen-Barometer misst Trends bei der Besetzung von Spitzenpositionen in großen deutschen Unternehmen durch Frauen und Männer. Sind wir auf einem guten Weg Richtung Parität?

In den Aufsichtsräten geht es vorwärts. In den Vorständen hingegen sind nur wenige Frauen vertreten. Die Entwicklung gleicht einem Ritt auf der Schnecke! Das Problem ist, dass die gläserne Decke nicht erst auf Vorstandsebene ansetzt, sondern Frauen schon viel früher, nämlich in der Familienphase, aus dem Career-Track rausfallen. Mütter sind zunehmend erwerbstätig, aber jede Zweite arbeitet in Teilzeit. Karriere aber ist noch immer an typischen Männerbiografien ausgerichtet –  Teilzeit ist damit meist ein Karrierekiller. Wenn man bedenkt, welche Entwicklungen es im Bereich Ausbildung in den vergangenen Jahrzehnten gegeben hat, hat sich in Punkto Führung und Bezahlung unter dem Strich nur recht wenig getan. Es ist dringend notwendig, dass sich die Kultur in den Unternehmen ändert.

Seit 2016 gibt es eine Frauenquote für Aufsichtsräte – neu zu besetzende Posten müssen bis zu einem Anteil von 30 Prozent mit Frauen besetzt werden. Wirkt die Quote?

 Die Quote greift. In den 100 Unternehmen, die seit 2016 an die Quote gebunden sind, sind die Aufsichtsräte zu 30 Prozent mit Frauen besetzt. In manchen Unternehmen sind sogar mehr als 30 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten vertreten. Erstmals gibt es dieses Jahr – bei Henkel – sogar eine weibliche Doppelspitze im Aufsichtsrat. In der großen Masse der nicht von der verbindlichen Quote betroffenen Unternehmen geht es langsamer voran. In den Vorständen liegt der Frauenanteil gerade einmal bei acht Prozent. Die erhoffte Signalwirkung blieb bislang aus.

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