Endspurt für den Ruhestand.

Ein Leben lang gearbeitet – aber im Alter reicht das Geld nicht? Diese Angst treibt viele Frauen um. Nicht selten wird die Sorge stärker, je näher der Renteneintritt rückt. Unberechtigt ist das nicht. Frauen stehen in Sachen Altersvorsorge nach wie vor schlechter da als Männer. Das aber lässt sich ändern – auch im fortgeschrittenen Alter. Es ist nie zu spät, den eigenen Ruhestand abzusichern! Frauen mit 60 plus haben noch immer vielfältige Möglichkeiten, ihre Finanzausstattung fürs Alter zu verbessern.

Was ist zu tun?

Seien Sie ehrlich zu sich selbst! Wieviel Geld brauchen Sie im Monat? Reicht die erwartete Rente/Pension, um alle Kosten zu decken und ein wenig Luxus zu ermöglichen? Diese Bestandsaufnahme ist wichtig. Denn je nachdem, wie hoch Ihr (zusätzlicher) Finanzbedarf ist, gibt es verschiedene Varianten, um Einnahmen zu generieren – und die Zeit nach dem Arbeitsleben so zu gestalten, wie Sie es wollen.

So funktioniert’s.

Nach dem grundsätzlichen Schema bei der Finanzplanung (siehe „Ihre Ziele”) sollten Sie zunächst Ihre existenziellen Risiken absichern, und sich dann mit dem Thema Altersvorsorge und Geldanlage auseinandersetzen.

Gesundheit

Sie sind günstig und gut krankenversichert? Prima. Falls Sie aber mit Leistungen und Kosten unzufrieden sind, prüfen Sie, ob sich ein Wechsel für Sie lohnt!

Leistungen vergleichen!

Ob privat oder gesetzlich: Sie sind krankenversichert. Wenn Sie Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind, brauchen Sie sich jetzt kaum mehr Gedanken über eine private Alternative zu machen – selbst wenn Sie inzwischen mehr als 4.800 Euro verdienen, so dass ein Wechsel formal möglich wäre. Der Grund ist simpel: Es rechnet sich nicht. Denn je später Sie umsteigen, desto höher die Kosten, weil die Versicherer in kürzerer Zeit Rücklagen für das Alter ansparen müssen. Wer spät in die private Krankenversicherung (PKV) wechselt, wird sich auf einen starken Beitragsanstieg im Alter einstellen müssen.

Ein Wechsel innerhalb der GKV könnte sich dagegen für Sie lohnen. Mehr als 100 gesetzliche Krankenkassen konkurrieren um Mitglieder. Zwar ist der „allgemeine Beitragssatz“ bei allen Kassen mit 14,6 Prozent Ihres Bruttolohnes gleich hoch. Aber die Kassen erheben sogenannte Zusatzbeiträge, die in der Höhe variieren. Mit einem Wechsel könnten Sie eventuell viel Geld sparen.

Zudem unterscheiden sich die gesetzlichen Krankenkassen im Leistungsangebot. Überprüfen Sie, ob die von Ihnen gewählte Kasse noch zu Ihren Bedürfnissen passt. Manche Kassen übernehmen ganz oder teilweise die Kosten für alternative Heilmethoden wie etwa Akupunktur, Homöopathie oder Osteopathie. Auch haben die Kassen unterschiedliche Präventionsleistungen wie Rückenkurse oder Raucherentwöhnung im Leistungskatalog.

Ende der Familienversicherung?

In der gesetzlichen Krankenkasse profitieren Familien von der Familienversicherung. Wenn nur ein Ehepartner arbeitet, ist der andere Ehepartner ebenso wie die Kinder beitragsfrei mitversichert. Vielleicht haben Sie bisher von den Vorteilen profitiert. Durch den Wiedereinstieg in den Beruf, aber auch durch eine Scheidung vom Ehepartner können sich Änderungen ergeben. Wenn Sie eine Familienpause eingelegt haben und wieder beruflich durchstarten möchten, müssen Sie sich ab einem Einkommen von monatlich 425 Euro (Minijob 450 Euro) selbst versichern. Die Sätze gelten auch für Ihre Kinder, wenn Sie noch zur Schule gehen oder studieren bzw. in Ausbildung sind. Kinder können maximal bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres über die Eltern beitragsfrei mitversichert sein.

Die beitragsfreie Familienversicherung endet für Sie automatisch auch, wenn Sie und Ihr Ehepartner sich trennen. Zwar bleiben Sie als freiwilliges Mitglied weiterhin versichert, doch mit dem Tag der Scheidung fallen dann eigene Beiträge an.

Zahnzusatzversicherungen – genau rechnen!

Das Gesetz schreibt vor, dass die Kassen nur Behandlungen bezahlen dürfen, die ausreichend, notwendig und wirtschaftlich sind und „das Maß des medizinisch Notwendigen nicht überschreiten.“ Übermäßigen Luxus sollten Sie also nicht erwarten – und schon gar nicht, wenn es um Ihre Zähne geht! Hier zahlen die Kassen nur das Minimum. Wer auf Keramikfüllungen oder –kronen oder gar Implantate setzt, muss sich auf hohe bis sehr hohe Zuzahlungen einstellen. Damit Sie nicht aus allen Wolken fallen, wenn Ihr Zahnarzt Ihnen eine Rechnung in Höhe eines Kleinwagens präsentiert, sollten Sie sich vorbereiten. Ob sich eine private Zahnzusatzversicherung für Sie rechnet, können Sie selbst am besten beurteilen – Sie kennen den Zustand Ihres Gebisses. Stehen in den kommenden Jahren umfangreiche Sanierungen an – etwa, weil eine Reihe alter Kronen ersetzt werden müssen? Dann könnte sich eine private Zahnzusatzversicherung für Sie lohnen.

herMoney Tipp:
Überschlagen Sie, wie viele Zähne eventuell in ein paar Jahren behandelt oder ersetzt werden müssen – und rechnen Sie die Kosten einer Zusatzversicherung dagegen. Falls Sie sich gegen eine Versicherung entscheiden: Legen Sie auf jeden Fall Geld für künftige Zahnbehandlungen zurück!

Privat versichert? Kosten im Blick!

Sie haben in jungen Jahren eine günstige private Krankenversicherung abgeschlossen – und nun steigen die Kosten rapide an? Das ist mehr als wahrscheinlich. Denn anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung richten sich die Beiträge nicht nach Ihrem Einkommen, sondern nach Ihrem individuellen Krankheits-Risiko. Und das steigt im Alter. Statistisch gesehen jedenfalls beanspruchen Rentner oder Pensionäre mehr Gesundheitsleistungen als junge Versicherte. Gleichzeitig sinken im Schnitt die Einnahmen, wenn Sie in Rente gehen. Wenn Sie keine finanziellen Rücklagen gebildet haben, könnte es eng für Sie werden. Ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist ab 55 nicht mehr möglich – selbst dann nicht, wenn Sie vor Renteneintritt arbeitslos werden. Auch ein Wechsel des Anbieters ist nicht zu empfehlen, weil Sie bei Ihrem Versicherer Rückstellungen aufgebaut haben. Dennoch gibt es Möglichkeiten, die Kosten zu reduzieren.

  • Zuschuss beantragen
    Wenn Sie eine gesetzliche Rente erhalten, können Sie bei Ihrem Rententräger einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung beantragen. Gezahlt werden bis 7,3 Prozent der gesetzlichen Rente, höchstens jedoch 50 Prozent der Versicherungsprämie. Einen Zuschuss zur Pflegeversicherung gibt es allerdings nicht.
  • Tarif wechseln
    Sie haben das Recht, bei Ihrem Anbieter ohne Gesundheitsprüfung und Verlust der Rückstellungen in einen anderen (günstigeren) Tarif zu wechseln. Das sehen die Versicherer nicht gerne – sie werden Ihnen wohl kaum von sich aus ein Angebot machen. Werden Sie also aktiv, wenn Sie von günstigeren Paralleltarifen mit gleichen Leistungen profitieren möchten!
  • Auf Leistungen verzichten
    Wenn die Beiträge zu Ihrer privaten Krankenversicherung dennoch Ihr Budget übersteigen, müssen Sie in den sauren Apfel beißen und Leistungen reduzieren. Die privaten Krankenkassen sind verpflichtet, Ihnen einen Basistarif  anzubieten. Die Leistungen entsprechen denen der gesetzlichen Krankenkassen und Sie zahlen maximal den Höchstbeitrag der GKV. Wenn Sie Ihren Vertrag vor dem 01.01.2009 abgeschlossen haben, können Sie unter Umständen auch in einen Standardvertrag wechseln. Informieren Sie sich vor dem Wechsel genau und prüfen Sie, welches Angebot besser für Sie passt!

Auslandsreisekrankenversicherung

Vielleicht haben Sie etwas mehr finanziellen Spielraum als früher und Lust, die Welt zu entdecken? Dann sollten gut versichert sein. Denn wer im Ausland auf ärztliche Hilfe angewiesen ist, darf nicht ohne weiteres auf die Unterstützung seiner Krankenversicherung hoffen.

Besonders hart trifft es gesetzlich Versicherte. Müssen sie im europäischen Ausland zum Arzt, werden sie dort meist nur gegen Vorkasse behandelt. Wieder daheim, erstattet die Kasse dann nur jenen Teil der Rechnung, der den deutschen Sätzen entspricht – eventuell sogar abzüglich entstandener  Verwaltungskosten. Auf dem (oft stattlichen Rest) bleiben Sie dann sitzen.

Gar nichts beteiligen sich die Kassen an Behandlungskosten, die außerhalb Europas beziehungsweise in Ländern entstanden sind, mit denen Deutschland kein sogenanntes Sozialversicherungsabkommen hat – dazu gehören auch beliebte Reiseziele wie die USA oder Thailand. Hier zahlen sie alle Rechnungen für Arzt, Klinik und Medikamente aus eigener Tasche.

Teuer wird es auch, wenn Sie per Sondertransport zurück nach Deutschland gebracht werden müssen. Da kommen schnell fünfstellige Summen zusammen – von denen die gesetzlichen Krankenkassen keinen Cent übernehmen.

Selbst als Privatpatient sollten Sie nicht blind darauf vertrauen, dass ihr Versicherer die Behandlungskosten im Ausland sowie den Heimtransport übernimmt. Prüfen Sie deshalb genau, ob Ihr gewählter Tarif Leistungen im Ausland beinhaltet.

Mit dem Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung sind Sie auf der sicheren Seite. Die Police gibt es bereits für wenige Euro im Jahr, eine Familienpolice ist für weniger als 20 Euro im Jahr zu haben. Die Stiftung Warentest hat 80 Produkte getestet: Die besten finden Sie hier.

herMoney Tipp:
Für alle, die das Fernweh packt, ist der Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung Pflicht. Achten Sie beim Abschluss darauf, dass die gewählte Police auch für Ihr Reiseland gilt und dass die Kosten für einen möglichen Rücktransport bereits übernommen werden, wenn es „sinnvoll und vertretbar“ ist – und nicht erst dann, wenn „medizinische Notwendigkeit“ besteht. Falls Sie sich von Ihrem Ehepartner getrennt haben, müssen Sie daran denken, eine eigene Police abzuschließen – die Familienpolice greift dann nicht mehr!

Einkommen

Berufsunfähigkeitsversicherung: Der Zug ist abgefahren!

Sie haben nur noch wenige Berufsjahre bis zur Rente. Wenn Sie in jungen Jahren keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen haben, werden Sie jetzt keine Absicherung mehr erhalten. Aber haben Sie das Risiko im Hinterkopf und bauen sich für den Fall der Fälle ein finanzielles Polster auf! Bedenken Sie: Jeder vierte Deutsche muss seinen Beruf vor dem Rentenalter an den Nagel hängen, weil die Gesundheit schlappmacht – allen voran der Rücken und die Psyche. Und die Sozialsysteme sichern in solchen Fällen kaum mehr als das Überleben: Mit der vollen Erwerbsminderungsrente etwa kommen Sie Pi mal Daumen gerade einmal auf die Hälfte Ihres Nettogehaltes – mit der Aussicht auf Lebenslänglich.

herMoney Tipp:
Nur noch wenige Jahre bis zur Rente? Bedenken Sie, dass auch sieben Jahre Berufsunfähigkeit ein Loch in Ihr Budget schlagen. Wenn Sie nicht abgesichert sind, sollten Sie privat vorsorgen und sich ein  finanzielles Polster aufbauen! (siehe Vermögen aufbauen)

Vermögen

Private Haftpflichtversicherung: Nie mehr Ohne

Eine leistungsstarke Haftpflichtversicherung gehört zum Pflichtprogramm, sie ist die wohl wichtigste Police überhaupt. Ob Frau oder Mann, alt oder jung, Single oder verheiratet: Jeder sollte eine Haftpflichtversicherung haben. Denn bereits eine kleine Unachtsamkeit genügt, um einen Millionenschaden zu verursachen, für den Sie dann haften. Der kann schon entstehen, wenn Sie in einem unbedachten Moment die Autotür ohne Blick in den Rückspiegel öffnen und ein Radfahrer so unglücklich auf den Kopf stürzt, dass er zum Pflegefall wird. Die Kosten der Behandlung, die Schmerzensgeldforderungen und unter Umständen lebenslange Rentenzahlungen an das Unfallopfer können sich auf mehrere Millionen Euro summieren.

Ohne Versicherungsschutz zahlen Sie unter Umständen lebenslang für die Folgen eines Unfalls. Dabei ist die Police nicht teuer, Singles zahlen gerade einmal ein paar Euro im Monat. Selbst ein Rundumschutz für Familien ist schon für knapp 60 Euro im Jahr zu haben. Bitte unbedingt abschließen!

herMoney Tipp:
Achten Sie auf eine möglichst hohe Deckungssumme. Die Verbraucherschützer vom „Bund der Versicherten“ raten, mindestens fünf Millionen Euro zu versichern; wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, wählt eine Deckungssumme von zehn Millionen Euro. Falls Sie heiraten, vermeiden Sie die Doppelversicherung und steigen Sie auf einen Familienvertrag um. Aber denken Sie bei Trennung daran, einen eigenen Versicherungsschutz aufzubauen. Ihr Nachwuchs ist mitversichert, solange er in Ausbildung ist – höchstens aber bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres.

Risikolebensversicherung: Genau prüfen!

Mit einer Risikolebensversicherung sichern Sie andere finanziell ab für den Fall, dass Sie sterben. Als Single ohne Kinder benötigen Sie eine solche Police in der Regel nicht. Falls Sie Kinder haben, sind die inzwischen wahrscheinlich aus dem Gröbsten raus. Aber vielleicht haben Sie mit Ihrem Partner vor, eine Immobilie zu erwerben? Dann sollten Sie prüfen, ob Sie sich gegenseitig finanziell absichern können, bis die Hypothek getilgt ist.

Risikolebensversicherungen sind recht simple Produkte: Der Versicherer kalkuliert anhand der statistischen Lebenserwartung (und der Infos aus einem Gesundheitscheck) mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Kundin das Ende des Vertrages erlebt – und setzt dementsprechend die Beiträge fest. Mit 60 aufwärts können Sie noch eine Risikolebensversicherung abschließen – offiziell liegt die Altersgrenze bei 70 bzw. 75 Jahren. Aber nicht jeder Versicherer dürfte Ihren Antrag akzeptieren, zumal, wenn Sie nicht topfit sind. Falls Sie eine Police erhalten, müssen Sie zudem mit hohen Beiträgen rechnen. Prüfen Sie, ob sich das lohnt!

In drei Schritten können Sie die passende Police und einen guten Anbieter finden:

  • Schritt eins: Versicherungssumme festlegen. Experten raten, mindestens das Drei- bis Fünffache des eigenen Jahresbruttoverdienstes abzusichern. Wer Schulden hat, etwa, weil das Haus noch nicht abbezahlt ist, muss die Summe höher ansetzen. Lassen Sie sich im Zweifel beraten!
  • Schritt Zwei: Laufzeit definieren. Wie lange eine Risikolebensversicherung laufen sollte, ist von Fall zu Fall verschieden. Wenn Sie verschuldet sind, sollte die Versicherung so lange laufen lassen, bis die Verbindlichkeiten (voraussichtlich) abbezahlt sind.
  • Schritt Drei: Preise vergleichen. Bei den Risikolebensversicherungen ist der Preis das ausschlaggebende Kriterium. Die Leistung (Geld wegen Tod) ist ja immer gleich. Umso erstaunlicher ist es, dass teure Verträge viermal so viel kosten können wie günstige. Vergleichen lohnt hier also ganz besonders!

herMoney Fazit:
Falls Sie mit einem Partner den Kauf einer Immobilie planen, könnte sich eine Risikolebensversicherung trotz hoher Beiträge für Sie lohnen. Prüfen Sie die Möglichkeiten und das Angebot!

Testament

Testament

Sie fühlen sich jung und fit – und möchten sich nicht mit dem Thema Tod auseinandersetzen? Verständlich! Dennoch möchten wir Sie ermutigen, sich um Ihr Vermächtnis zu kümmern und nichts dem Zufall zu überlassen. Ansonsten bestimmt der Staat, wer im Fall der Fälle von Ihrem Nachlass profitiert. Und die staatlichen Regelungen dürften nicht immer zu den von Ihnen gewünschten Ergebnissen führen.

Nach der gesetzlichen Erbfolge werden grundsätzlich die nächsten Verwandten bedacht. Sind Sie nicht verheiratet und haben Sie keine Kinder, geht Ihr Hab und Gut nach Ihrem Tod automatisch an Ihre Eltern bzw. Geschwister. Freunde – und auch Ihr Lebenspartner – gehen dann leer aus. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange Sie mit Ihrem Partner zusammen sind und ob Sie eventuell sogar einen gemeinsamen Haushalt führen. Denn es gilt: Ohne Trauschein kein Erbe – solange Sie nichts anderes per Testament oder Erbvertrag bestimmen.

Auch mit Trauschein und ohne Kinder ist die gesetzliche Regelung eventuell nicht in Ihrem Sinn. Ihr Ehemann erbt alles? Denkste! Wenn Sie keinen Nachwuchs haben, bekommt Ihr Partner nur die Hälfte des Erbes, die andere Hälfte geht unter Umständen an Ihre Geschwister oder deren Kinder, zu denen Sie seit Jahren keinen Kontakt mehr haben.

Damit Ihr Erspartes, der Familienschmuck und alles, was Ihnen lieb und teuer ist, in die richtigen Hände fällt, müssen Sie also handeln – und ein Testament aufsetzen. Angst, dauerhaft an (veraltete) Regelungen gebunden zu sein, müssen Sie nicht haben. Ein Einzeltestament lässt sich jederzeit widerrufen – oder durch ein neueres Testament außer Kraft setzen.

herMoney Tipp:
Ihr letzter Wille gilt nur, wenn er entweder von einem Notar beurkundet wurde (Vorsicht, teuer!) oder wenn Sie das ganze Dokument per Hand geschrieben, unterschrieben und mit einem Datum versehen haben. Das mag – je nach Handschrift – nicht besonders offiziell aussehen, muss aber sein. Getippte und gedruckte Testamente sind unwirksam. Sorgen Sie zudem dafür, dass das Dokument auch wirklich gefunden wird: Dafür können Sie es beim nächsten Amtsgericht hinterlegen oder es für 15 Euro im Zentrale Testamentsregister registrieren.

Achtung Patchwork!

Das deutsche Erbrecht ist auf die klassische Ehe angelegt – Kinder und Ehegatten werden besonders bedacht. Kompliziert wird es, wenn Sie sich von Ihrem Ehemann trennen und einen neue Partnerschaft eingehen. Und noch komplizierter, wenn Sie und Ihr  Partner heiraten und Kinder mit in die neue Ehe bringen.

Machen Sie sich zwei Dinge  bewusst: Solange Sie nicht geschieden sind, hat Ihr Noch-Ehemann Anspruch auf die Hälfte Ihres Erbes. Ihr neuer Partner dagegen wird ohne Trauschein leer ausgehen. Und zweitens: Heiraten Sie Ihren neuen Partner sind die leiblichen Kinder desjenigen Ehepartners im Nachteil, der als erster stirbt. Sollten Sie vor Ihrem Mann sterben, erbt – solange nichts anderes testamentarisch vereinbart worden ist – Ihr Mann die Hälfte Ihres Vermögens, die andere Hälfte teilen sich Ihre leiblichen Kinder. Stirbt anschließend Ihr Mann, gehen Ihre leiblichen Kinder aber vollkommen leer aus, weil sie als seine Stiefkinder nach der gesetzlichen Erbfolge keine Ansprüche anmelden können. Die leiblichen Kinder Ihres Ehepartners dagegen erben Ihr halbes Vermögen und das Vermögen Ihres Mannes. Falls Ihr Partner zuerst stirbt, verhält es sich umgekehrt.

herMoney Tipp:
Ein Testament ist immer empfehlenswert. Wenn Sie in einer Patchworkfamilie leben, aber unverzichtbar. Lassen Sie sich gut beraten und überlassen Sie es nicht dem Zufall, ob Ihre oder die Kinder Ihres Mannes mehr erben. Eine klare Planung sorgt nicht nur für Gerechtigkeit, sondern verhindert auch einen Familienzwist!

Steuern beachten!

Sie haben ein Testament aufgesetzt – und die Rechnung hoffentlich nicht ohne den Staat gemacht! Denn der erbt mit und könnte Ihre Pläne unter Umständen durchkreuzen. Wenn Sie verheiratet sind und gemeinsame Kinder haben, ist das weniger wahrscheinlich. Denn Kinder und Ehepartner genießen hohe Freibeträge, und versteuern das, was darüber hinausgeht, zu einem niedrigen Steuersatz. Wenn Sie sehr vermögend sind, könnten Sie darüber nachdenken, die Steuerlast durch frühzeitige Schenkung zu reduzieren.

Leben Sie dagegen alleine oder ohne Trauschein mit Ihrem Partner zusammen, fallen beim Erben eventuell hohe Steuern an.

herMoney Tipp:
Auch wenn Sie ohne Trauschein seit Jahren eine glückliche Partnerschaft leben: Denken Sie über eine Hochzeit nach. Durch eine Ehe können Sie den Freibetrag des Partners (und Ihren eigenen!) von 20.000 Euro auf 500.000 Euro erhöhen. Lassen Sie sich auf jeden Fall gut beraten, damit Sie Ihren Nachlass auch steuerlich sinnvoll regeln können.

Patientenverfügung

Patientenverfügung: Nur gut im Kombipack

Können Sie sich vorstellen, über Leben und Tod eines geliebten Mitmenschen entscheiden zu müssen? Gewissenskonflikte sind dann wohl programmiert. Wenn Sie Ihren Partner oder Ihre Kinder nicht in eine solche Situation bringen möchten, sollten Sie vorsorgen. Die Amerikanerin Terri Schiavo hatte das nicht gemacht. 15 Jahre lang lag sie im Wachkoma, bevor Ihr Ehemann vor Gericht das Recht erkämpfte, die künstliche Ernährung einstellen zu lassen. 13 Tage später war Terri Schiavo tot. Der Fall führte auch in Deutschland zu einer hitzigen Diskussion über die Rechte eines Menschen am Ende des Lebens.

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht erstellen

Sie können vorsorgen und Ihren Angehörigen schmerzhafte Entscheidungen (und juristische Auseinandersetzungen) ersparen, indem Sie eine schriftliche Patientenverfügung erstellen. Darin können Sie regeln, welche medizinischen Maßnahmen Sie sich – etwa nach einem schweren Unfall, bei einer unheilbaren Krebserkrankung oder in anderen Extremsituationen – wünschen. Und welche eben nicht.

Damit die Ärzte sich im Ernstfall an die Vorgaben halten, sollten Sie zudem einer Person Ihres Vertrauens eine sogenannte Vorsorgevollmacht überreichen. Damit lassen sich die Anordnungen auch dann durchsetzen, wenn Sie selbst sich nicht mehr äußern können. Wichtig ist es zudem, die eigenen Anordnungen etwa alle fünf Jahre zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen – schließlich kann sich die eigene Einstellung zum Leben ebenso ändern wie das Vertrauensverhältnis zu dem einen oder anderen Mitmenschen.

Eine Vorsorgevollmacht muss grundsätzlich schriftlich erteilt und dem Bevollmächtigten ausgehändigt werden. Nur so kann sich dieser im Ernstfall legitimieren. Ganz Akkurate lassen die Urkunde vom Notar beurkunden. Sinnvoll ist es zudem, Vorsorgedokumente und die Patientenverfügung im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrieren zu lassen. So ist in jedem Fall sichergestellt, dass Behörden und Ärzte im Ernstfall darauf zugreifen können. Dieses Verfahren kostet einmalig 13 bis 15 Euro.

herMoney Tipp:
Sichern Sie Ihre Liebsten ab – aber denken Sie auch an sich selbst! Besprechen Sie offen mit Ihren Lieben, was im Fall der Fälle zu tun ist und sorgen Sie dafür, dass auch sie eine Patientenverfügung plus Vorsorgevollmacht hinterlegen!

Sie gehen mit großen Schritten auf die Rente zu. Vielleicht beschäftigt das Thema Sie nun stärker als früher – und Sie machen sich Sorgen, ob die Einnahmen im Alter auch reichen, um ein schönes Leben zu führen?

Jetzt wollen Sie natürlich wissen, wie es finanziell bei Ihnen aussieht, und überschlagen, was für ein Leben Sie sich als Rentnerin leisten können. Dazu machen Sie – wenn Sie es nicht schon getan haben – einen Kassensturz. Zählen Sie alles zusammen: Was haben Sie an gesetzlicher Rente, an Betriebsrente – vielleicht erhalten Sie ja mehrere Betriebsrenten? – oder Leistungen aus der Riester-Rente? Mit diesem Geld können Sie rechnen, weil es bis zu Ihrem Lebensende monatlich auf Ihr Konto kommt. Reichen die zu erwartenden Renten für Miete, Strom, Krankenversicherung, Brot und Butter aus?

Verschaffen Sie sich auf jeden Fall einen Überblick, damit Sie wissen, womit Sie rechnen können. Wie hoch Ihre gesetzliche Rente voraussichtlich ausfallen wird, erfahren Sie aus der „Rentenauskunft“, die Sie alle drei Jahre von der Deutschen Rentenversicherung zugeschickt bekommen. Sie können Ihr Rentenkonto aber auch jederzeit einsehen.

Die zweite spannende Frage ist nun, wie viel Geld Sie benötigen, wenn Sie in Rente sind? Eventuell tut sich zwischen Einnahmen und Bedarf eine Lücke auf. Sorgen Sie dann durch geschickte Geldanlage (siehe Vermögen aufbauen) dafür, dass Ihr Polster wächst und Sie diese Lücke auch schließen können!

herMoney Tipp:
Nehmen Sie sich die Zeit, sich mit Ihren Finanzen zu beschäftigen. Sprechen Sie Ihre Planungen auch mit Ihrem Partner durch oder lassen Sie sich von einem Profi beraten!

Der Renteneintritt naht und Sie haben sicherlich schon ein paar Rücklagen gebildet. Vielleicht haben Sie auch ein kleines Vermögen geerbt. Aber lassen Sie Ihr Geld auch für sich arbeiten? Oder haben Sie es auf einem Spar- oder Tagesgeldkonto geparkt?

Vielleicht haben Sie bei dieser Geldanlage ein Gefühl von Sicherheit. Doch Ihr Eindruck trügt. Denn da Sie auf Spar- oder Tagesgeldkonten kaum Zinsen bekommen, ist nur eines sicher: Ihr hart erarbeitetes Vermögen – oder besser: der Wert Ihres Vermögens – schmilzt dahin!

Das klingt verrückt und ist kaum vorstellbar. Aber machen Sie sich bewusst: Ein Guthaben von 100.000 Euro ist unverzinst nach 15 Jahren nur noch knapp 75.000 Euro wert – bei einer moderaten Inflation von gerade einmal zwei Prozent. Je höher die Inflationsrate, desto weniger werden Sie in 15 Jahren mit Ihrem Geld kaufen können.

herMoney Tipp:
Sorgen Sie mit einer vernünftigen Geldanlage dafür, dass Ihr Vermögen nicht weniger wird, sondern an Wert gewinnt. Lassen Sie sich über Ihre Möglichkeiten ausführlich beraten!

Bestandsaufnahme

Sie sollten kurz vor Renteneintritt mindestens ein bis zwei Brutto-Jahresgehälter auf der hohen Kante haben – alles was mehr ist, ist erfreulich! Wenn es weniger sein sollte, haben Sie einen Grund mehr, sich schnellstens um Ihre Finanzen zu kümmern!

Soll-Ist-Vergleich

Im Kapitel Altersversorgung haben wir Sie bereits ermutigt, sich einen Überblick über die zu erwartenden Renteneinnahmen zu verschaffen. Der erste Schritt ist also getan. Nun können Sie überlegen, wie viel Geld Sie brauchen werden und wie lange Ihr aktuelles Finanzpolster reicht, wenn Sie monatlich einen Betrag entnehmen, um die Lücke zu schließen. Und dann machen Sie den Plausibilitäts-Check: Reicht Ihr Finanzpolster für Ihre Wunsch-Entnahme aus?

Eine exakte Planung gibt es nicht, schließlich wissen Sie nicht, wie lange Sie leben. Die statistische Lebenserwartung für Frauen, die in den 1960er Jahren geboren sind, beträgt etwa 84 Jahre. Natürlich können Sie auch früher sterben oder viel älter werden. Um die Rechnung einfach zu halten, gehen wir hier von 20 bzw. 30 Rentenjahren aus.

Die Lebenserwartung spielt für die gesetzliche Rente, die Betriebsrente und die private Rente keine Rolle – diese Renten werden bis zu Ihrem Lebensende gezahlt. Anders sieht es mit Ihrem privaten Polster aus. Wenn Sie Monat für Monat Geld zum Leben entnehmen, ist es irgendwann aufgebraucht!

Eine Beispielrechnung:

Angenommen, Sie beziehen bei Renteneintritt 1.300 Euro Rente und bräuchten nach heutigem Stand aber 1.800 Euro, um ohne Einschränkungen über die Runde zu kommen, dann müssten Sie 500 Euro im Monat aus Ihrem Vermögen „verbrauchen“. Zinsen und Inflation nicht berücksichtigt – beides könnte sich gegenseitig annähernd aufheben –  benötigten Sie in 25 bzw. 30 Rentenjahren also 150.000 bzw. 180.000 Euro – damit Sie eine Vorstellung von der Größenordnung haben.

Ihr Finanzbedarf kann natürlich viel höher oder geringer ausfallen – was Sie im Rentenalter benötigen, hängt von vielen Faktoren ab. Sind Sie aktiv und haben teure Hobbys? Zahlen Sie hohe Beiträge für eine leistungsstarke private Krankenversicherung? Leben Sie in der Stadt oder auf dem Land, wo die Mieten erschwinglich sind? Leben Sie in den eigenen vier Wänden, so dass Sie gar keine Miete zahlen?

herMoney Tipp:
Überschlagen Sie, was Sie zu erwarten haben und was Sie brauchen. Das gibt Ihnen ein grobes Gefühl für die Größenordnung. Für konkrete Planungen ist es ratsam, sich Unterstützung von einem Profi zu holen!

Was tun, wenn es nicht reicht?

Wenn Sie bei Ihrer Berechnung zu dem  Ergebnis kommen, dass Sie später aus dem Vollen schöpfen können und es locker reichen wird: Prima! Machen Sie weiter so!

Wenn Sie zu dem Ergebnis kommen, dass es nicht reicht, verzweifeln Sie nicht! Sie haben ja noch ein paar Jahre Zeit und können etwas tun! Lassen Sie sich von einer kompetenten Beraterin oder einem kompetenten Berater unterstützen bei der Überlegung, wie Sie Ihr Finanzziel am besten erreichen. Ein Profi kann Ihnen auch bei der Berechnung helfen. Wichtig ist, dass Sie agieren, denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine gute Fee es bis zu Ihrem Renteneintritt schon richten wird, ist leider äußerst gering!

Welche Möglichkeiten habe ich“?

Per Sparbuch ein Vermögen aufbauen? Vergessen Sie´s – das hat die Beispielrechnung gezeigt.

Um den Wert Ihres Vermögens zu steigern, müssen Sie Ihr Geld investieren. Gute Unternehmen bieten gute Renditechancen. Sie können sich an Unternehmen beteiligen (per Aktie), oder aber Sie gewähren ihnen einen Kredit (per Anleihe). Bei Aktien profitieren Sie von möglichen Kurssteigerungen an der Börse sowie von der Ausschüttung des Gewinns, der so genannten Dividende. Bei Anleihen erhalten Sie regelmäßig Zinsen, den so genannten Kupon.

Anfängerinnen empfiehlt es sich, nicht gleich auf Einzelwerte zu setzen. Besser geeignet sind Fonds, die von Profis gemanagt werden. Der Vorteil: Ihr Geld wird in vielen Aktien oder Anleihen investiert, so dass die Risiken sinken. Fonds gibt es nicht nur für Aktien. Auch können Sie in Anleihefonds (Rentenfonds) oder Mischfonds investieren, je nachdem, wie viel Risiko Sie eingehen möchten.

Eine kostengünstige Alternative bilden ETFs. Das sind Fonds, die die Wertentwicklung einer Region, eines  Marktes oder einer Branche abbilden – sie kommen also ohne einen Manager aus, der eine Auswahl trifft.

Passgenaue Strategie

Wenn Ihr Ziel der (weitere) Aufbau Ihrer Alterstvorsorge ist, haben Sie ja vermutlich noch ein paar Jahre Zeit. Legen Sie, wenn möglich, einen Teil Ihres Gehaltes an – zum Beispiel per Sparplan. Den bieten Banken für die meisten Fonds und ETFs an. Mit einem Sparplan investieren Sie monatlich, vierteljährlich oder jährlich einen von Ihnen festgesetzten Betrag. Durch die regelmäßige Anlage senken Sie die Kursrisiken. Denn steigen die Kurse, gibt es weniger Anteile; bei Korrekturen dagegen bekommen Sie mehr Anteile für Ihr Geld, die in der darauf folgenden Erholung gute Renditeaussichten versprechen.

Wollen Sie dagegen Ihr komplettes Vermögen vom Sparkonto in eine besser verzinste Anlageform umschichten, wird es kniffliger. Mit 60 aufwärts sollten Sie nicht so hohe Risiken eingehen, wie eine 20jährige, die auch längere Korrekturphasen an den Börsen aussitzen kann. Mit zunehmendem Alter macht es deshalb Sinn, die Anlagerisiken zu reduzieren. Es gibt sogar Berater, die Rentnerinnen grundsätzlich von Aktien oder Aktienfonds abraten. Der Grund: Aktien weisen stärkere Schwankungen auf als festverzinsliche Anlagen, aber sie bringen auch deutlich mehr – zumindest langfristig.

Weil Aktien und Aktienfonds stärker schwanken als konservative Anlagen, sollten Sie sie auch als langfristige Anlage betrachten. Denn es kann jederzeit und ohne Vorankündigung zu einem heftigen Börsenrückgang kommen, und dann rauscht auch Ihre Aktienanlage in den Keller. Ein solcher Börsenrückgang kann mehrere Jahre – mitunter sogar 10 Jahre oder mehr – andauern. Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere Seite ist, dass Sie einen Teil Ihres Vermögens durchaus langfristig anlegen können. Bei Finanzanlagen spricht man ab einer Haltedauer von zehn Jahren von einem „langfristigen Anlagehorizont“. Wenn Sie heute 60 Jahre alt sind, haben Sie gute Chancen, dass Sie weitere 30 Jahre leben. Na, wenn das nicht langfristig ist! Sie sollten also überlegen, mit welchem Anteil Ihres Vermögens Sie als Rentnerin in Aktien oder Aktienfonds bleiben wollen. Das hängt von Ihrer finanziellen Situation ab und davon, wie Sie persönlich das Risiko der Aktienanlage empfinden. Besprechen Sie dies mit einer Beraterin oder einem Berater, der auf Ihre Person und Ihre individuelle Situation eingeht!

herMoney Tipp:
Bevor Sie Ihr Geld einem Profi anvertrauen, durchleuchten Sie ihn gründlich (Checkliste), denn er hat Ihr finanzielles Schicksal ein Stück weit in seiner Hand. Recherchieren Sie im Internet, fragen Sie Freunde und Bekannte nach Empfehlungen!

Das sollten Sie beachten.

Sie bekommen nichts geschenkt!

Viele Frauen interessieren sich nur wenig für den Kapitalmarkt und Finanzanlagen – und sind der Meinung, dass hier völlig andere Mechanismen wirken als im sonstigen Leben oder gar geheime Bünde im Verborgenen arbeiten.

Glauben Sie in Finanzdingen nicht an Geheimwissenschaften oder Hokuspokus, sondern wenden Sie Ihren gesunden Menschverstand an. Wenn Ihnen jemand eine Anlagemöglichkeit anbietet, die angeblich eine sehr hohe Rendite und kein Risiko bergen soll, seien Sie skeptisch! Warum sollte ein Unternehmen, das problemlos einen Bankkredit zu 3 oder 4 Prozent bekäme, Ihnen 8 Prozent Zinsen für Ihr Geld anbieten? Hat da jemand Geld zu verschenken und wählt dafür ausgerechnet Sie aus? Wohl kaum! Wo eine hohe Rendite winkt, gibt es auch Risiken – das sagt der gesunde Menschenverstand, und so ist es auch im richtigen Finanz-Leben.

herMoney Tipp:
Lassen Sie sich keinen Bären aufbinden und sich keine „besonders attraktive“ Anlage aufschwatzen, die hohe Kosten verursacht und Ihr Kapital über viele Jahre bindet!

Ihre Anlage muss zum Anlageziel passen!

Wollen Sie für das Alter vorsorgen und langfristig investieren? Dann können Sie höhere Risiken eingehen, als wenn Sie kurzfristige Ziele verfolgen. Vielleicht möchten Sie sich in den kommenden Jahren mit einer Weltreise einen teuren Herzenswunsch erfüllen? Vielleicht steht auch eine teure Zahnsanierung an, die Sie nicht aus dem laufenden Einkommen bezahlen können?

herMoney Tipp:
Unterscheiden Sie zwischen kurzfristigen und langfristigen Sparzielen – und teilen Sie Ihr Kapital bzw. Ihren Sparbetrag entsprechend auf! Es ist empfehlenswert, die Strategie in regelmäßigen Abständen zu prüfen und anzupassen.

Ihre Anlage muss zu Ihnen passen!

Die beste Geldanlage macht wenig Sinn, wenn Sie deswegen schlaflose Nächte verbringen. Können Sie sich Wertschwankungen Ihres Vermögens leisten? Und können Sie zwischenzeitliche Verluste auch aushalten?

herMoney Tipp:
Anlagestrategien gibt es für jede Risikoneigung – Ihre Anlagestrategie sollte aber auf jeden Fall zu Ihrer Risikoneigung passen. Überschätzen Sie sich nicht. Es macht wenig Sinn, zu hohe Risiken einzugehen und bei Kurskorrekturen in Panik mit Verlust zu verkaufen!

Reduzieren Sie die Risiken!

Sie wissen nicht, welches Anlage-Produkt, welcher Fonds, welche Aktie sich künftig als besonders gut erweisen wird, und welche sich nur mittelprächtig oder gar schlecht entwickeln werden? Willkommen im Club! Mit Gewissheit weiß das leider niemand im Vorhinein! Aus diesem Grund ist es schlau, bei Finanzanlagen immer „auf mehreren Beinen zu stehen“, also breit zu streuen. Dadurch reduzieren Sie die Risiken.

herMoney Tipp:
Mit Fonds und ETFs sind Sie automatisch breit aufgestellt, mit mehreren Fonds oder ETFs noch viel breiter. Berücksichtigen Sie nicht nur unterschiedliche Anlageklassen wie Aktien und Anleihen, sondern streuen Sie auch über unterschiedliche Länder und Branchen.

Flexibel bleiben – auch beim Ausstieg

Mit Investmentfonds oder ETFs können Sie auch jederzeit und ohne Einhaltung von Fristen über Ihr angespartes Vermögen verfügen. Eins sollten Sie dabei im Hinterkopf behalten: Wenn Sie in Fonds investieren, die mitunter stark schwanken können (z.B. Aktienfonds), dann ist auch nicht jeder Zeitpunkt ein guter Zeitpunkt für den Verkauf der Anteile. Wenn die Kurse an den Börsen fallen, werden Aktienfonds davon zwangsweise in Mitleidenschaft gezogen. Es ist unvorteilhaft und könnte Ihnen Verluste bescheren, wenn Sie gerade dann verkaufen müssen.

herMoney Tipp:
Behalten Sie Ihre Investments im Blick und prüfen Sie, ob Ihre Anlage noch zu Ihren Zielen passt. Je näher der Zeitpunkt, an dem Sie Ihr Geld benötigen, desto weniger Risiken sollten Sie nehmen. Reduzieren Sie Ihre Anlagerisiken entsprechend und schichten von Aktien- in Misch- oder Rentenfonds um.

Bleiben Sie am Ball!

Geldanlage ist kein Hexenwerk, aber ganz ohne Engagement kommen Sie nicht aus. Informieren Sie sich über Ihre Möglichkeiten und nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Investments in regelmäßigen Abständen zu adjustieren!

herMoney Tipp:
Sie haben weder Zeit noch Lust, sich mit der Geldanlage zu beschäftigen? Deswegen gar nicht zu handeln, wäre die schlechteste Lösung. Besser: Sie suchen sich eine Beraterin oder einen  Berater, die bzw. der sich um Ihr Geld kümmert. Oder aber Sie nutzen das digitale Angebot einiger Banken, die Ihnen online je nach Anlagedauer und Risikoneigung konkrete Vorschläge machen.

Drum prüfe, wer sich bindet!

Auch wenn die meisten Menschen älteren Mitbürgern mit Respekt begegnen, gibt es einige, die dies nicht tun – zumindest nicht wirklich. Das kann auch im Rahmen der Finanzberatung so sein. Es gibt Berichte über Banken, in denen ältere Kunden als „AD“ bezeichnet werden („alt und doof“) oder weibliche Kunden als „DO“ – doofe Oma. Dagegen können Sie etwas tun: Bereiten Sie sich gut auf Ihr Beratungsgespräch vor, stellen Sie Fragen, wenn Sie etwas nicht verstehen und prüfen Sie das Angebot mehrerer Berater. Falls Sie sich für leichtgläubig halten oder schnell zu verunsichern sind: Scheuen Sie sich nicht, eine zweite Person mit zu dem Gespräch zu nehmen. Das ist generell keine schlechte Idee, denn zwei Menschen hören und verstehen mehr als ein einzelner und stellen unterschiedliche Fragen. Die Vertrauensperson, die Sie mitnehmen, sollte sich mit Finanzdingen auskennen und über gesunden Menschenverstand verfügen.

herMoney Tipp:
Lassen Sie sich auf keinen Fall zu einer schnellen Unterschrift verleiten, sondern bitten sich Bedenkzeit aus. Zuhause können Sie die Unterlagen noch einmal ganz in Ruhe prüfen und Dritte nach Ihrer Einschätzung befragen, falls Sie sich unsicher sind.

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