Schritt 1:
Existenzrisiken
absichern
Schritt 2:
Altersversorgung
optimieren
Schritt 3:
Vermögen
aufbauen

Existenzrisiken absichern in den Sechzigern

Wenn frau ihre Sechzigerjahre erreicht, stehen die nächsten großen Lebenswandel an: Sie gehen demnächst in Rente, vielleicht werden Sie zur Großmutter und die grundsätzliche Lebensgeschwindigkeit verändert sich. Für eine finanzbewusste Frau also eigentlich glasklar, dass jetzt wieder die Auseinandersetzung mit noch laufenden Versicherungen und anderen Verträgen ansteht. Passen Ihre Versicherungen noch zu Ihnen? Müssen Sie sich langsam aber sicher ernsthaft mit dem Thema Testament und Patientenverfügung beschäftigen? Sind Sie günstig und gut krankenversichert? Jetzt ist die Zeit gekommen, um all das zu prüfen und zu entscheiden, ob sich ein Wechsel für Sie lohnt!

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Ob privat oder gesetzlich: Sie sind krankenversichert. Wenn Sie Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind, brauchen Sie sich jetzt kaum mehr Gedanken über eine private Alternative zu machen – selbst wenn Sie inzwischen mehr als 4.950 Euro verdienen, so dass ein Wechsel formal möglich wäre. Der Grund ist simpel: Es rechnet sich nicht. Denn je später Sie umsteigen, desto höher die Kosten, weil die Versicherer in kürzerer Zeit Rücklagen für das Alter ansparen müssen. Wer spät in die private Krankenversicherung (PKV) wechselt, wird sich auf einen starken Beitragsanstieg im Alter einstellen müssen.

Ein Wechsel innerhalb der GKV könnte sich dagegen für Sie lohnen. Mehr als 100 gesetzliche Krankenkassen konkurrieren um Mitglieder. Zwar ist der „allgemeine Beitragssatz“ bei allen Kassen mit 14,6 Prozent Ihres Bruttolohnes gleich hoch. Aber die Kassen erheben sogenannte Zusatzbeiträge, die in der Höhe variieren. Mit einem Wechsel könnten Sie eventuell viel Geld sparen.

Zudem unterscheiden sich die gesetzlichen Krankenkassen im Leistungsangebot. Überprüfen Sie, ob die von Ihnen gewählte Kasse noch zu Ihren Bedürfnissen passt. Manche Kassen übernehmen ganz oder teilweise die Kosten für alternative Heilmethoden wie etwa Akupunktur, Homöopathie oder Osteopathie. Auch haben die Kassen unterschiedliche Präventionsleistungen wie Rückenkurse oder Raucherentwöhnung im Leistungskatalog.

Ende der Familienversicherung?

In der gesetzlichen Krankenkasse profitieren Familien von der Familienversicherung. Wenn nur ein Ehepartner arbeitet, ist der andere Ehepartner ebenso wie die Kinder beitragsfrei mitversichert. Vielleicht haben Sie bisher von den Vorteilen profitiert. Durch den Wiedereinstieg in den Beruf, aber auch durch eine Scheidung vom Ehepartner können sich Änderungen ergeben. Wenn Sie eine Familienpause eingelegt haben und wieder beruflich durchstarten möchten, müssen Sie sich ab einem Einkommen von monatlich 435 Euro (Minijob 450 Euro) selbst versichern. Die Sätze gelten auch für Ihre Kinder, wenn Sie noch zur Schule gehen oder studieren bzw. in Ausbildung sind. Kinder können maximal bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres über die Eltern beitragsfrei mitversichert sein.

Die beitragsfreie Familienversicherung endet für Sie automatisch auch, wenn Sie und Ihr Ehepartner sich trennen. Zwar bleiben Sie als freiwilliges Mitglied weiterhin versichert, doch mit dem Tag der Scheidung fallen dann eigene Beiträge an.

Zahnzusatzversicherungen – genau rechnen!

Das Gesetz schreibt vor, dass die Kassen nur Behandlungen bezahlen dürfen, die ausreichend, notwendig und wirtschaftlich sind und „das Maß des medizinisch Notwendigen nicht überschreiten.“ Übermäßigen Luxus sollten Sie also nicht erwarten – und schon gar nicht, wenn es um Ihre Zähne geht! Hier zahlen die Kassen nur das Minimum. Wer auf Keramikfüllungen oder –kronen oder gar Implantate setzt, muss sich auf hohe bis sehr hohe Zuzahlungen einstellen. Damit Sie nicht aus allen Wolken fallen, wenn Ihr Zahnarzt Ihnen eine Rechnung in Höhe eines Kleinwagens präsentiert, sollten Sie sich vorbereiten. Ob sich eine private Zahnzusatzversicherung für Sie rechnet, können Sie selbst am besten beurteilen – Sie kennen den Zustand Ihres Gebisses. Stehen in den kommenden Jahren umfangreiche Sanierungen an – etwa, weil eine Reihe alter Kronen ersetzt werden müssen? Dann könnte sich eine private Zahnzusatzversicherung für Sie lohnen.

herMoney Tipp:
Überschlagen Sie, wie viele Zähne eventuell in ein paar Jahren behandelt oder ersetzt werden müssen – und rechnen Sie die Kosten einer Zusatzversicherung dagegen. Falls Sie sich gegen eine Versicherung entscheiden: Legen Sie auf jeden Fall Geld für künftige Zahnbehandlungen zurück!

Privat versichert? Kosten im Blick!

Sie haben in jungen Jahren eine günstige private Krankenversicherung abgeschlossen – und nun steigen die Kosten rapide an? Das ist mehr als wahrscheinlich. Denn anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung richten sich die Beiträge nicht nach Ihrem Einkommen, sondern nach Ihrem individuellen Krankheits-Risiko. Und das steigt im Alter. Statistisch gesehen jedenfalls beanspruchen Rentner oder Pensionäre mehr Gesundheitsleistungen als junge Versicherte. Gleichzeitig sinken im Schnitt die Einnahmen, wenn Sie in Rente gehen. Wenn Sie keine finanziellen Rücklagen gebildet haben, könnte es eng für Sie werden. Ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist ab 55 nicht mehr möglich – selbst dann nicht, wenn Sie vor Renteneintritt arbeitslos werden. Auch ein Wechsel des Anbieters ist nicht zu empfehlen, weil Sie bei Ihrem Versicherer Rückstellungen aufgebaut haben. Dennoch gibt es Möglichkeiten, die Kosten zu reduzieren.

  • Zuschuss beantragen
    Wenn Sie eine gesetzliche Rente erhalten, können Sie bei Ihrem Rententräger einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung beantragen. Gezahlt werden bis 7,3 Prozent der gesetzlichen Rente, höchstens jedoch 50 Prozent der Versicherungsprämie. Einen Zuschuss zur Pflegeversicherung gibt es allerdings nicht.
  • Tarif wechseln
    Sie haben das Recht, bei Ihrem Anbieter ohne Gesundheitsprüfung und Verlust der Rückstellungen in einen anderen (günstigeren) Tarif zu wechseln. Das sehen die Versicherer nicht gerne – sie werden Ihnen wohl kaum von sich aus ein Angebot machen. Werden Sie also aktiv, wenn Sie von günstigeren Paralleltarifen mit gleichen Leistungen profitieren möchten!
  • Auf Leistungen verzichten
    Wenn die Beiträge zu Ihrer privaten Krankenversicherung dennoch Ihr Budget übersteigen, müssen Sie in den sauren Apfel beißen und Leistungen reduzieren. Die privaten Krankenkassen sind verpflichtet, Ihnen einen Basistarif  anzubieten. Die Leistungen entsprechen denen der gesetzlichen Krankenkassen und Sie zahlen maximal den Höchstbeitrag der GKV. Wenn Sie Ihren Vertrag vor dem 01.01.2009 abgeschlossen haben, können Sie unter Umständen auch in einen Standardvertrag wechseln. Informieren Sie sich vor dem Wechsel genau und prüfen Sie, welches Angebot besser für Sie passt!

Auslandsreisekrankenversicherung

Vielleicht haben Sie etwas mehr finanziellen Spielraum als früher und Lust, die Welt zu entdecken? Dann sollten gut versichert sein. Denn wer im Ausland auf ärztliche Hilfe angewiesen ist, darf nicht ohne weiteres auf die Unterstützung seiner Krankenversicherung hoffen.

Besonders hart trifft es gesetzlich Versicherte. Müssen sie im europäischen Ausland zum Arzt, werden sie dort meist nur gegen Vorkasse behandelt. Wieder daheim, erstattet die Kasse dann nur jenen Teil der Rechnung, der den deutschen Sätzen entspricht – eventuell sogar abzüglich entstandener  Verwaltungskosten. Auf dem (oft stattlichen Rest) bleiben Sie dann sitzen.

Gar nichts beteiligen sich die Kassen an Behandlungskosten, die außerhalb Europas beziehungsweise in Ländern entstanden sind, mit denen Deutschland kein sogenanntes Sozialversicherungsabkommen hat – dazu gehören auch beliebte Reiseziele wie die USA oder Thailand. Hier zahlen sie alle Rechnungen für Arzt, Klinik und Medikamente aus eigener Tasche.

Teuer wird es auch, wenn Sie per Sondertransport zurück nach Deutschland gebracht werden müssen. Da kommen schnell fünfstellige Summen zusammen – von denen die gesetzlichen Krankenkassen keinen Cent übernehmen.

Selbst als Privatpatient sollten Sie nicht blind darauf vertrauen, dass ihr Versicherer die Behandlungskosten im Ausland sowie den Heimtransport übernimmt. Prüfen Sie deshalb genau, ob Ihr gewählter Tarif Leistungen im Ausland beinhaltet.

Mit dem Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung sind Sie auf der sicheren Seite. Die Police gibt es bereits für wenige Euro im Jahr, eine Familienpolice ist für weniger als 20 Euro im Jahr zu haben. Die Stiftung Warentest hat 80 Produkte getestet: Die besten finden Sie hier.

herMoney Tipp:

Für alle, die das Fernweh packt, ist der Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung Pflicht. Achten Sie beim Abschluss darauf, dass die gewählte Police auch für Ihr Reiseland gilt und dass die Kosten für einen möglichen Rücktransport bereits übernommen werden, wenn es „sinnvoll und vertretbar“ ist – und nicht erst dann, wenn „medizinische Notwendigkeit“ besteht. Falls Sie sich von Ihrem Ehepartner getrennt haben, müssen Sie daran denken, eine eigene Police abzuschließen – die Familienpolice greift dann nicht mehr!

Berufsunfähigkeitsversicherung: Der Zug ist abgefahren!

Sie haben nur noch wenige Berufsjahre bis zur Rente. Wenn Sie in jungen Jahren keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen haben, werden Sie jetzt keine Absicherung mehr erhalten. Aber haben Sie das Risiko im Hinterkopf und bauen sich für den Fall der Fälle ein finanzielles Polster auf! Bedenken Sie: Jeder vierte Deutsche muss seinen Beruf vor dem Rentenalter an den Nagel hängen, weil die Gesundheit schlappmacht – allen voran der Rücken und die Psyche. Und die Sozialsysteme sichern in solchen Fällen kaum mehr als das Überleben: Mit der vollen Erwerbsminderungsrente etwa kommen Sie Pi mal Daumen gerade einmal auf die Hälfte Ihres Nettogehaltes – mit der Aussicht auf Lebenslänglich.

herMoney Tipp:

Nur noch wenige Jahre bis zur Rente? Bedenken Sie, dass auch sieben Jahre Berufsunfähigkeit ein Loch in Ihr Budget schlagen. Wenn Sie nicht abgesichert sind, sollten Sie privat vorsorgen und sich ein  finanzielles Polster aufbauen! (siehe Vermögen aufbauen)

Private Haftpflichtversicherung: Nie mehr ohne

Eine leistungsstarke Haftpflichtversicherung gehört zum Pflichtprogramm, sie ist die wohl wichtigste Police überhaupt. Ob Frau oder Mann, alt oder jung, Single oder verheiratet: Jeder sollte eine Haftpflichtversicherung haben. Denn bereits eine kleine Unachtsamkeit genügt, um einen Millionenschaden zu verursachen, für den Sie dann haften. Der kann schon entstehen, wenn Sie in einem unbedachten Moment die Autotür ohne Blick in den Rückspiegel öffnen und ein Radfahrer so unglücklich auf den Kopf stürzt, dass er zum Pflegefall wird. Die Kosten der Behandlung, die Schmerzensgeldforderungen und unter Umständen lebenslange Rentenzahlungen an das Unfallopfer können sich auf mehrere Millionen Euro summieren.

Ohne Versicherungsschutz zahlen Sie unter Umständen lebenslang für die Folgen eines Unfalls. Dabei ist die Police nicht teuer, Singles zahlen gerade einmal ein paar Euro im Monat. Selbst ein Rundumschutz für Familien ist schon für knapp 60 Euro im Jahr zu haben. Bitte unbedingt abschließen!

herMoney Tipp:

Achten Sie auf eine möglichst hohe Deckungssumme. Die Verbraucherschützer vom „Bund der Versicherten“ raten, mindestens fünf Millionen Euro zu versichern; wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, wählt eine Deckungssumme von zehn Millionen Euro. Falls Sie heiraten, vermeiden Sie die Doppelversicherung und steigen Sie auf einen Familienvertrag um. Aber denken Sie bei Trennung daran, einen eigenen Versicherungsschutz aufzubauen. Ihr Nachwuchs ist mitversichert, solange er in Ausbildung ist – höchstens aber bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres.

Risikolebensversicherung: Genau prüfen!

Mit einer Risikolebensversicherung sichern Sie andere finanziell ab für den Fall, dass Sie sterben. Als Single ohne Kinder benötigen Sie eine solche Police in der Regel nicht. Falls Sie Kinder haben, sind die inzwischen wahrscheinlich aus dem Gröbsten raus. Aber vielleicht haben Sie mit Ihrem Partner vor, eine Immobilie zu erwerben? Dann sollten Sie prüfen, ob Sie sich gegenseitig finanziell absichern können, bis die Hypothek getilgt ist.

Risikolebensversicherungen sind recht simple Produkte: Der Versicherer kalkuliert anhand der statistischen Lebenserwartung (und der Infos aus einem Gesundheitscheck) mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Kundin das Ende des Vertrages erlebt – und setzt dementsprechend die Beiträge fest. Mit 60 aufwärts können Sie noch eine Risikolebensversicherung abschließen – offiziell liegt die Altersgrenze bei 70 bzw. 75 Jahren. Aber nicht jeder Versicherer dürfte Ihren Antrag akzeptieren, zumal, wenn Sie nicht topfit sind. Falls Sie eine Police erhalten, müssen Sie zudem mit hohen Beiträgen rechnen. Prüfen Sie, ob sich das lohnt!

In drei Schritten können Sie die passende Police und einen guten Anbieter finden:

  • Schritt eins: Versicherungssumme festlegen. Experten raten, mindestens das Drei- bis Fünffache des eigenen Jahresbruttoverdienstes abzusichern. Wer Schulden hat, etwa, weil das Haus noch nicht abbezahlt ist, muss die Summe höher ansetzen. Lassen Sie sich im Zweifel beraten!
  • Schritt Zwei: Laufzeit definieren. Wie lange eine Risikolebensversicherung laufen sollte, ist von Fall zu Fall verschieden. Wenn Sie verschuldet sind, sollte die Versicherung so lange laufen lassen, bis die Verbindlichkeiten (voraussichtlich) abbezahlt sind.
  • Schritt Drei: Preise vergleichen. Bei den Risikolebensversicherungen ist der Preis das ausschlaggebende Kriterium. Die Leistung (Geld wegen Tod) ist ja immer gleich. Umso erstaunlicher ist es, dass teure Verträge viermal so viel kosten können wie günstige. Vergleichen lohnt hier also ganz besonders!

herMoney Fazit:

Falls Sie mit einem Partner den Kauf einer Immobilie planen, könnte sich eine Risikolebensversicherung trotz hoher Beiträge für Sie lohnen. Prüfen Sie die Möglichkeiten und das Angebot!

Testament

Sie fühlen sich jung und fit – und möchten sich nicht mit dem Thema Tod auseinandersetzen? Verständlich! Dennoch möchten wir Sie ermutigen, sich um Ihr Vermächtnis zu kümmern und nichts dem Zufall zu überlassen. Ansonsten bestimmt der Staat, wer im Fall der Fälle von Ihrem Nachlass profitiert. Und die staatlichen Regelungen dürften nicht immer zu den von Ihnen gewünschten Ergebnissen führen.

Nach der gesetzlichen Erbfolge werden grundsätzlich die nächsten Verwandten bedacht. Sind Sie nicht verheiratet und haben Sie keine Kinder, geht Ihr Hab und Gut nach Ihrem Tod automatisch an Ihre Eltern bzw. Geschwister. Freunde – und auch Ihr Lebenspartner – gehen dann leer aus. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange Sie mit Ihrem Partner zusammen sind und ob Sie eventuell sogar einen gemeinsamen Haushalt führen. Denn es gilt: Ohne Trauschein kein Erbe – solange Sie nichts anderes per Testament oder Erbvertrag bestimmen.

Auch mit Trauschein und ohne Kinder ist die gesetzliche Regelung eventuell nicht in Ihrem Sinn. Ihr Ehemann erbt alles? Denkste! Wenn Sie keinen Nachwuchs haben, bekommt Ihr Partner nur die Hälfte des Erbes, die andere Hälfte geht unter Umständen an Ihre Geschwister oder deren Kinder, zu denen Sie seit Jahren keinen Kontakt mehr haben.

Damit Ihr Erspartes, der Familienschmuck und alles, was Ihnen lieb und teuer ist, in die richtigen Hände fällt, müssen Sie also handeln – und ein Testament aufsetzen. Angst, dauerhaft an (veraltete) Regelungen gebunden zu sein, müssen Sie nicht haben. Ein Einzeltestament lässt sich jederzeit widerrufen – oder durch ein neueres Testament außer Kraft setzen.

herMoney Tipp:

Ihr letzter Wille gilt nur, wenn er entweder von einem Notar beurkundet wurde (Vorsicht, teuer!) oder wenn Sie das ganze Dokument per Hand geschrieben, unterschrieben und mit einem Datum versehen haben. Das mag – je nach Handschrift – nicht besonders offiziell aussehen, muss aber sein. Getippte und gedruckte Testamente sind unwirksam. Sorgen Sie zudem dafür, dass das Dokument auch wirklich gefunden wird: Dafür können Sie es beim nächsten Amtsgericht hinterlegen oder es für 15 Euro im Zentrale Testamentsregister registrieren.

Achtung Patchwork!

Das deutsche Erbrecht ist auf die klassische Ehe angelegt – Kinder und Ehegatten werden besonders bedacht. Kompliziert wird es, wenn Sie sich von Ihrem Ehemann trennen und einen neue Partnerschaft eingehen. Und noch komplizierter, wenn Sie und Ihr  Partner heiraten und Kinder mit in die neue Ehe bringen.

Machen Sie sich zwei Dinge  bewusst: Solange Sie nicht geschieden sind, hat Ihr Noch-Ehemann Anspruch auf die Hälfte Ihres Erbes. Ihr neuer Partner dagegen wird ohne Trauschein leer ausgehen. Und zweitens: Heiraten Sie Ihren neuen Partner sind die leiblichen Kinder desjenigen Ehepartners im Nachteil, der als erster stirbt. Sollten Sie vor Ihrem Mann sterben, erbt – solange nichts anderes testamentarisch vereinbart worden ist – Ihr Mann die Hälfte Ihres Vermögens, die andere Hälfte teilen sich Ihre leiblichen Kinder. Stirbt anschließend Ihr Mann, gehen Ihre leiblichen Kinder aber vollkommen leer aus, weil sie als seine Stiefkinder nach der gesetzlichen Erbfolge keine Ansprüche anmelden können. Die leiblichen Kinder Ihres Ehepartners dagegen erben Ihr halbes Vermögen und das Vermögen Ihres Mannes. Falls Ihr Partner zuerst stirbt, verhält es sich umgekehrt.

herMoney Tipp:

Ein Testament ist immer empfehlenswert. Wenn Sie in einer Patchworkfamilie leben, aber unverzichtbar. Lassen Sie sich gut beraten und überlassen Sie es nicht dem Zufall, ob Ihre oder die Kinder Ihres Mannes mehr erben. Eine klare Planung sorgt nicht nur für Gerechtigkeit, sondern verhindert auch einen Familienzwist!

Steuern beachten!

Sie haben ein Testament aufgesetzt – und die Rechnung hoffentlich nicht ohne den Staat gemacht! Denn der erbt mit und könnte Ihre Pläne unter Umständen durchkreuzen. Wenn Sie verheiratet sind und gemeinsame Kinder haben, ist das weniger wahrscheinlich. Denn Kinder und Ehepartner genießen hohe Freibeträge, und versteuern das, was darüber hinausgeht, zu einem niedrigen Steuersatz. Wenn Sie sehr vermögend sind, könnten Sie darüber nachdenken, die Steuerlast durch frühzeitige Schenkung zu reduzieren.

Leben Sie dagegen alleine oder ohne Trauschein mit Ihrem Partner zusammen, fallen beim Erben eventuell hohe Steuern an.

herMoney Tipp:

Auch wenn Sie ohne Trauschein seit Jahren eine glückliche Partnerschaft leben: Denken Sie über eine Hochzeit nach. Durch eine Ehe können Sie den Freibetrag des Partners (und Ihren eigenen!) von 20.000 Euro auf 500.000 Euro erhöhen. Lassen Sie sich auf jeden Fall gut beraten, damit Sie Ihren Nachlass auch steuerlich sinnvoll regeln können.

Patientenverfügung: Nur gut im Kombipack

Können Sie sich vorstellen, über Leben und Tod eines geliebten Mitmenschen entscheiden zu müssen? Gewissenskonflikte sind dann wohl programmiert. Wenn Sie Ihren Partner oder Ihre Kinder nicht in eine solche Situation bringen möchten, sollten Sie vorsorgen. Die Amerikanerin Terri Schiavo hatte das nicht gemacht. 15 Jahre lang lag sie im Wachkoma, bevor Ihr Ehemann vor Gericht das Recht erkämpfte, die künstliche Ernährung einstellen zu lassen. 13 Tage später war Terri Schiavo tot. Der Fall führte auch in Deutschland zu einer hitzigen Diskussion über die Rechte eines Menschen am Ende des Lebens.

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht erstellen

Sie können vorsorgen und Ihren Angehörigen schmerzhafte Entscheidungen (und juristische Auseinandersetzungen) ersparen, indem Sie eine schriftliche Patientenverfügung erstellen. Darin können Sie regeln, welche medizinischen Maßnahmen Sie sich – etwa nach einem schweren Unfall, bei einer unheilbaren Krebserkrankung oder in anderen Extremsituationen – wünschen. Und welche eben nicht.

Damit die Ärzte sich im Ernstfall an die Vorgaben halten, sollten Sie zudem einer Person Ihres Vertrauens eine sogenannte Vorsorgevollmacht überreichen. Damit lassen sich die Anordnungen auch dann durchsetzen, wenn Sie selbst sich nicht mehr äußern können. Wichtig ist es zudem, die eigenen Anordnungen etwa alle fünf Jahre zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen – schließlich kann sich die eigene Einstellung zum Leben ebenso ändern wie das Vertrauensverhältnis zu dem einen oder anderen Mitmenschen.

Eine Vorsorgevollmacht muss grundsätzlich schriftlich erteilt und dem Bevollmächtigten ausgehändigt werden. Nur so kann sich dieser im Ernstfall legitimieren. Ganz Akkurate lassen die Urkunde vom Notar beurkunden. Sinnvoll ist es zudem, Vorsorgedokumente und die Patientenverfügung im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrieren zu lassen. So ist in jedem Fall sichergestellt, dass Behörden und Ärzte im Ernstfall darauf zugreifen können. Dieses Verfahren kostet einmalig 13 bis 15 Euro.

herMoney Tipp:

Sichern Sie Ihre Liebsten ab – aber denken Sie auch an sich selbst! Besprechen Sie offen mit Ihren Lieben, was im Fall der Fälle zu tun ist und sorgen Sie dafür, dass auch sie eine Patientenverfügung plus Vorsorgevollmacht hinterlegen!

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