Schritt 1:
Existenzrisiken
absichern
Schritt 2:
Altersversorgung
optimieren
Schritt 3:
Vermögen
aufbauen

Existenzrisiken absichern in den Fünfzigern

Eine Frau in ihren Fünfzigern kann bereits auf einen beträchtlichen Schatz an Lebenserfahrung zurückblicken, aber ist noch lange nicht am Ende ihrer Schaffenszeit. Vermutlich haben Sie die wesentlichen Risiken längst im Blick und sind (hoffentlich!) bereits gut abgesichert. Aber Ihre Lebenssituation verändert sich trotzdem langsam, aber sicher. Wenn Sie Kinder haben, werden diese langsam flügge, vielleicht steht eine Trennung an oder Sie sind mit Ihren laufenden Versicherungen nicht länger zufrieden – Stichwort Familienversicherung. Nehmen Sie sich die Zeit, sich mit neuen Anforderungen auseinanderzusetzen und Ihr Gesamtkonzept anzupassen.

Werbung

Krankenversicherung - Ein Leistungsvergleich lohnt!

Ob privat oder gesetzlich: Sie sind krankenversichert. Wenn Sie Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind, brauchen Sie sich jetzt kaum mehr Gedanken über eine private Alternative zu machen – selbst wenn Sie inzwischen mehr als 4.950 Euro verdienen, so dass ein Wechsel formal möglich wäre. Der Grund ist simpel: Es rechnet sich nicht. Denn je später Sie umsteigen, desto höher die Kosten, weil die Versicherer in kürzerer Zeit Rücklagen für das Alter ansparen müssen. Wer spät in die private Krankenversicherung (PKV) wechselt, wird sich auf einen starken Beitragsanstieg im Alter einstellen müssen.

Ein Wechsel innerhalb der GKV könnte sich dagegen für Sie lohnen. Mehr als 100 gesetzliche Krankenkassen konkurrieren um Mitglieder. Zwar ist der „allgemeine Beitragssatz“ bei allen Kassen mit 14,6 Prozent Ihres Bruttolohnes gleich hoch. Aber die Kassen erheben sogenannte Zusatzbeiträge, die in der Höhe variieren. Mit einem Wechsel könnten Sie eventuell viel Geld sparen.

Zudem unterscheiden sich die gesetzlichen Krankenkassen im Leistungsangebot. Überprüfen Sie, ob die von Ihnen gewählte Kasse noch zu Ihren Bedürfnissen passt. Vielleicht haben Sie alternative Heilmethoden für sich entdeckt und wünschen sich die Übernahme der Kosten für Akupunktur, Homöopathie oder Osteopathie? Auch haben die Kassen unterschiedliche Präventionsleistungen wie Rückenkurse oder Raucherentwöhnung im Leistungskatalog.

Privat versichert? Tarife checken!

Sie haben in jungen Jahren eine günstige private Krankenversicherung abgeschlossen – und nun steigen die Kosten rapide an? Das ist mehr als wahrscheinlich. Denn anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung richten sich die Beiträge nicht nach Ihrem Einkommen, sondern nach Ihrem individuellen Krankheits-Risiko. Und das steigt im Alter. Die Wehwehchen nehmen zu, die Kosten auch. Wenn Sie keine finanziellen Rücklagen gebildet haben, könnte es eng für Sie werden – erst recht dann, wenn Sie in Rente gehen und dann womöglich auch noch weniger Geld zur Verfügung haben. Wenn Sie angestellt oder arbeitslos sind, können Sie jetzt eventuell noch in die gesetzliche Krankenkasse wechseln. Ab 55 ist das nicht mehr möglich, selbst dann nicht, wenn Sie über kein oder ein sehr geringes Einkommen verfügen.

Wollen Sie auch in Zukunft nicht auf die Leistungen Ihrer privaten Krankenversicherung verzichten, sollten Sie spätestens jetzt damit beginnen, Rücklagen aufzubauen. Prüfen Sie zudem, ob Ihr Versicherer einen günstigeren Tarif mit den gleichen Leistungen anbietet. Falls ja, haben Sie das Recht, ohne zusätzliche Gesundheitsprüfung und Verlust der Rückstellungen in den günstigeren Tarif zu wechseln.

herMoney Tipp:

Logisch, dass Ihr Versicherer ungern auf Einnahmen verzichtet. Von sich aus wird er Ihnen deshalb kaum ein günstigeres Angebot machen. Sie müssen also selbst aktiv werden, wenn Sie Geld sparen wollen!

Ende der Familienversicherung?

In der gesetzlichen Krankenkasse profitieren Familien von der Familienversicherung. Wenn nur ein Ehepartner arbeitet, ist der andere Ehepartner ebenso wie die Kinder beitragsfrei mitversichert. Vielleicht haben Sie bisher von den Vorteilen profitiert. Durch den Wiedereinstieg in den Beruf, aber auch durch eine Scheidung vom Ehepartner können sich Änderungen ergeben. Wenn Sie eine Familienpause eingelegt haben und wieder beruflich durchstarten möchten, müssen Sie sich ab einem Einkommen von monatlich 435 Euro (Minijob 450 Euro) selbst versichern. Die Sätze gelten auch für Ihre Kinder, wenn Sie noch zur Schule gehen oder studieren bzw. in Ausbildung sind. Kinder können maximal bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres über die Eltern beitragsfrei mitversichert sein.

Die beitragsfreie Familienversicherung endet für Sie automatisch auch, wenn Sie und Ihr Ehepartner sich trennen. Zwar bleiben Sie als freiwilliges Mitglied weiterhin versichert, doch mit dem Tag der Scheidung fallen dann eigene Beiträge an.

Zahnzusatzversicherungen – genau rechnen!

Das Gesetz schreibt vor, dass die Kassen nur Behandlungen bezahlen dürfen, die ausreichend, notwendig und wirtschaftlich sind und „das Maß des medizinisch Notwendigen nicht überschreiten.“ Übermäßigen Luxus sollten Sie also nicht erwarten – und schon gar nicht, wenn es um Ihre Zähne geht! Hier zahlen die Kassen nur das Minimum. Wer auf Keramikfüllungen oder –kronen oder gar Implantate setzt, muss sich auf hohe bis sehr hohe Zuzahlungen einstellen. Damit Sie nicht aus allen Wolken fallen, wenn Ihr Zahnarzt Ihnen eine Rechnung in Höhe eines Kleinwagens präsentiert, sollten Sie sich vorbereiten. Ob sich eine private Zahnzusatzversicherung für Sie rechnet, können Sie selbst am besten beurteilen – Sie kennen den Zustand Ihres Gebisses. Stehen in den kommenden Jahren umfangreiche Sanierungen an – etwa, weil eine Reihe alter Kronen ersetzt werden müssen? Dann könnte sich eine private Zahnzusatzversicherung für Sie lohnen.

herMoney Tipp:

Überschlagen Sie, wie viele Zähne eventuell in ein paar Jahren behandelt oder ersetzt werden müssen – und rechnen Sie die Kosten einer Zusatzversicherung dagegen. Falls Sie sich gegen eine Versicherung entscheiden: Legen Sie auf jeden Fall Geld für künftige Zahnbehandlungen zurück! Eine Checkliste, die wir gemeinsam mit Verbraucherschützern erstellt haben, finden Sie hier!

Auslandsreisekrankenversicherung

Vielleicht haben Sie etwas mehr finanziellen Spielraum und Lust, die Welt zu entdecken? Dann sollten gut versichert sein. Denn wer im Ausland auf ärztliche Hilfe angewiesen ist, darf nicht ohne weiteres auf die Unterstützung seiner Krankenversicherung hoffen.

Besonders hart trifft es gesetzlich Versicherte. Müssen sie im europäischen Ausland zum Arzt, werden sie dort meist nur gegen Vorkasse behandelt. Wieder daheim, erstattet die Kasse dann nur jenen Teil der Rechnung, der den deutschen Sätzen entspricht – eventuell sogar abzüglich entstandener  Verwaltungskosten. Auf dem (oft stattlichen Rest) bleiben Sie dann sitzen.

Gar nichts beteiligen sich die Kassen an Behandlungskosten, die außerhalb Europas beziehungsweise in Ländern entstanden sind, mit denen Deutschland kein sogenanntes Sozialversicherungsabkommen hat – dazu gehören auch beliebte Reiseziele wie die USA oder Thailand. Hier zahlen sie alle Rechnungen für Arzt, Klinik und Medikamente aus eigener Tasche.

Teuer wird es auch, wenn Sie per Sondertransport zurück nach Deutschland gebracht werden müssen. Da kommen schnell fünfstellige Summen zusammen – von denen die gesetzlichen Krankenkassen keinen Cent übernehmen.

Selbst als Privatpatient sollten Sie nicht blind darauf vertrauen, dass ihr Versicherer die Behandlungskosten im Ausland sowie den Heimtransport übernimmt. Prüfen Sie deshalb genau, ob Ihr gewählter Tarif Leistungen im Ausland beinhaltet.

Mit dem Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung sind Sie auf der sicheren Seite. Die Police gibt es bereits für wenige Euro im Jahr, eine Familienpolice ist für weniger als 20 Euro im Jahr zu haben. Die Stiftung Warentest hat 80 Produkte getestet: Die besten finden Sie hier.

herMoney Tipp:

Für alle, die das Fernweh packt, ist der Abschluss einer Auslandsreisekrankenversicherung Pflicht. Achten Sie beim Abschluss darauf, dass die gewählte Police auch für Ihr Reiseland gilt und dass die Kosten für einen möglichen Rücktransport bereits übernommen werden, wenn es „sinnvoll und vertretbar“ ist – und nicht erst dann, wenn „medizinische Notwendigkeit“ besteht. Falls Sie sich von Ihrem Ehepartner getrennt haben, müssen Sie daran denken, eine eigene Police abzuschließen – die Familienpolice greift dann nicht mehr!

Berufsunfähigkeitsversicherung: Der Zug ist wohl abgefahren!

Ihre Arbeitskraft ist Ihr wertvollstes Gut – wir hoffen, Sie haben sich längst gegen die Risiken der Berufsunfähigkeit abgesichert. Falls nicht, haben Sie hoffentlich für den Fall der Fälle ausreichend Geld angespart. Denn jetzt noch eine Police abzuschließen, dürfte schwierig werden. Zum einen, weil die Versicherer kaum Zeit haben, für den Versicherungsfall Rücklagen zu bilden. Und zum zweiten, weil Sie mit 50 aufwärts bestimmt bereits das ein oder andere gesundheitliche Wehwehchen haben. Sie können es natürlich versuchen und einen Antrag stellen. Aber seien Sie gewiss: Die Assekuranzen sortieren per Gesundheitscheck rigide aus. Kein Wunder: Wenn Sie mit 50 eine Versicherung über 2.000 Euro Monatsrente abschließen und mit 55 Jahren ihren Job aufgeben müssen, kostet das die Versicherung bis zu Ihrem Renteneintritt fast 300.000 Euro – ohne Zinsen und Zusatzleistungen. Falls Sie einen Anbieter finden, der Sie jetzt noch versichert, können Sie sich auf eins gefasst machen: Es wird sehr, sehr teuer!

Haben Sie bereits eine Versicherung abgeschlossen, prüfen Sie, ob die versicherte Summe noch ausreicht. Eventuell ist Ihr Lebensstandard gestiegen und Sie haben mehr Geld zur Verfügung, so dass Sie aufstocken können.

Haben Sie dagegen keine Absicherung, sollten Sie privat vorsorgen. Jeder vierte Deutsche muss seinen Beruf vor dem Rentenalter an den Nagel hängen, weil die Gesundheit schlappmacht – allen voran der Rücken und die Psyche. Und ohne Vorsorge droht Ihnen ein rasanter finanzieller Abstieg. Denn die Sozialsysteme sichern in solchen Fällen kaum mehr als das Überleben: Mit der vollen Erwerbsminderungsrente etwa kommen Sie Pi mal Daumen gerade einmal auf die Hälfte Ihres Nettogehaltes – mit der Aussicht auf Lebenslänglich.

herMoney Tipp:

Überprüfen Sie, ob Sie Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung aufstocken können und wollen. Wer keine Absicherung hat, sollte privat vorsorgen (siehe Vermögen aufbauen)

Private Haftpflichtversicherung: Nie mehr ohne

Eine leistungsstarke Haftpflichtversicherung gehört zum Pflichtprogramm, sie ist die wohl wichtigste Police überhaupt. Ob Frau oder Mann, alt oder jung, Single oder verheiratet: Jeder sollte eine Haftpflichtversicherung haben. Denn bereits eine kleine Unachtsamkeit genügt, um einen Millionenschaden zu verursachen, für den Sie dann haften. Der kann schon entstehen, wenn Sie in einem unbedachten Moment die Autotür ohne Blick in den Rückspiegel öffnen und ein Radfahrer so unglücklich auf den Kopf stürzt, dass er zum Pflegefall wird. Die Kosten der Behandlung, die Schmerzensgeldforderungen und unter Umständen lebenslange Rentenzahlungen an das Unfallopfer können sich auf mehrere Millionen Euro summieren.

Ohne Versicherungsschutz zahlen Sie unter Umständen lebenslang für die Folgen eines Unfalls. Dabei ist die Police nicht teuer, Singles zahlen gerade einmal ein paar Euro im Monat. Selbst ein Rundumschutz für Familien ist schon für knapp 60 Euro im Jahr zu haben. Bitte unbedingt abschließen!

herMoney Tipp:

Achten Sie auf eine möglichst hohe Deckungssumme. Die Verbraucherschützer vom „Bund der Versicherten“ raten, mindestens fünf Millionen Euro zu versichern; wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, wählt eine Deckungssumme von zehn Millionen Euro. Falls Sie heiraten, vermeiden Sie die Doppelversicherung und steigen Sie auf einen Familienvertrag um. Aber denken Sie bei Trennung daran, einen eigenen Versicherungsschutz aufzubauen. Ihr Nachwuchs ist mitversichert, solange er in Ausbildung ist – höchstens aber bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres.

Risikolebensversicherung: Entscheidung aus Liebe – und Vernunft

Mit einer Risikolebensversicherung sichern Sie andere finanziell ab für den Fall, dass Sie sterben. Als Single ohne Kinder benötigen Sie eine solche Police in der Regel nicht. Anders sieht es aus, wenn Sie Nachwuchs haben – oder gemeinsam mit Ihrem Partner finanzielle Verpflichtungen eingegangen sind – zum Beispiel für den Kauf von Wohneigentum. Dann macht es Sinn, die Familie für den Fall der Fälle abzusichern.

Risikolebensversicherungen sind recht simple Produkte: Der Versicherer kalkuliert anhand der statistischen Lebenserwartung (und der Infos aus einem Gesundheitscheck) mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Kundin das Ende des Vertrages erlebt – und setzt dementsprechend die Beiträge fest. Mit 50 aufwärts müssen Sie deshalb mit höheren Beiträgen rechnen. Policen sind in Ihrem Alter ab 30 Euro im Monat zu haben. Achtung: Als Raucherin zahlen Sie wegen des deutlich höheren Risikos mehr als den doppelten Betrag!

In drei Schritten können Sie die passende Police und einen guten Anbieter finden:

  • Schritt eins: Versicherungssumme festlegen. Experten raten, mindestens das Drei- bis Fünffache des eigenen Jahresbruttoverdienstes abzusichern. Wer Schulden hat, etwa, weil das Haus noch nicht abbezahlt ist, muss die Summe höher ansetzen. Lassen Sie sich im Zweifel beraten!
  • Schritt Zwei: Laufzeit definieren. Wie lange eine Risikolebensversicherung laufen sollte, ist von Fall zu Fall verschieden. Wer Kinder hat, sollte wenigstens bis zu deren 20. Geburtstag versichert sein, wer verschuldet ist, sollte die Versicherung so lange laufen lassen, bis die Verbindlichkeiten (voraussichtlich) abbezahlt sind.
  • Schritt Drei: Preise vergleichen. Bei den Risikolebensversicherungen ist der Preis das ausschlaggebende Kriterium. Die Leistung (Geld wegen Tod) ist ja immer gleich. Umso erstaunlicher ist es, dass teure Verträge viermal so viel kosten können wie günstige. Vergleichen lohnt hier also ganz besonders!

herMoney Fazit:

Kinderlose Singles können meist auf sie verzichten, Familien und Alleinerziehende dagegen nicht. Auch für kinderlose Paare lohnt sich ein Abschluss – vor allem, wenn es gemeinsame Schulden gibt.

Testament: Ja, Sie brauchen eines!

Heiraten, Kinder bekommen, Karriere machen, Immobilie kaufen: Sie können Ihr Leben planen und gestalten. Aber gegen einen Schicksalsschlag sind Sie nicht gefeit. Deshalb sollten Sie sich rechtzeitig mit ihrem „letzten Willen“ auseinandersetzen. Ansonsten bestimmt der Staat, wer im Fall der Fälle von Ihrem Nachlass profitiert. Und die staatlichen Regelungen dürften nicht immer zu den von Ihnen gewünschten Ergebnissen führen.

Nach der gesetzlichen Erbfolge werden grundsätzlich die nächsten Verwandten bedacht. Sind Sie nicht verheiratet und haben Sie keine Kinder, geht Ihr Hab und Gut nach Ihrem Tod automatisch an Ihre Eltern. Freunde – und auch Ihr Lebenspartner – gehen dann leer aus. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange Sie mit Ihrem Partner zusammen sind und ob Sie eventuell sogar einen gemeinsamen Haushalt führen. Denn es gilt: Ohne Trauschein kein Erbe – solange Sie nichts anderes per Testament oder Erbvertrag bestimmen.

Damit Ihr Erspartes, der Familienschmuck und alles, was Ihnen lieb und teuer ist, in die richtigen Hände fällt, müssen Sie also handeln – und ein Testament aufsetzen. Angst, dauerhaft an (veraltete) Regelungen gebunden zu sein, muss dabei niemand haben. Ein Einzeltestament lässt sich jederzeit widerrufen – oder durch ein neueres außer Kraft setzen.

herMoney Tipp:

Ihr letzter Wille gilt nur, wenn er entweder von einem Notar beurkundet wurde (Vorsicht, teuer!) oder wenn Sie das ganze Dokument per Hand geschrieben, unterschrieben und mit einem Datum versehen  haben. Das mag – je nach Handschrift – nicht besonders offiziell aussehen, muss aber sein. Getippte und gedruckte Testamente sind unwirksam. Sorgen Sie zudem dafür, dass das Dokument auch wirklich gefunden wird: Dafür können Sie es beim nächsten Amtsgericht hinterlegen oder es für 15 Euro im Zentrale Testamentsregister registrieren.

Achtung Patchwork!

Das deutsche Erbrecht ist auf die klassische Ehe angelegt – Kinder und Ehegatten werden besonders bedacht. Kompliziert wird es, wenn Sie sich von Ihrem Ehemann trennen und einen neue Partnerschaft eingehen. Und noch komplizierter, wenn Sie und Ihr  Partner heiraten und Kinder mit in die neue Ehe bringen.

Machen Sie sich zwei Dinge  bewusst: Solange Sie nicht geschieden sind, hat Ihr Noch-Ehemann Anspruch auf die Hälfte Ihres Erbes. Ihr neuer Partner dagegen wird ohne Trauschein leer ausgehen. Und zweitens: Heiraten Sie Ihren neuen Partner sind die leiblichen Kinder desjenigen Ehepartners im Nachteil, der als erster stirbt. Sollten Sie vor Ihrem Mann sterben, erbt – solange nichts anderes testamentarisch vereinbart worden ist – Ihr Mann die Hälfte Ihres Vermögens, die andere Hälfte teilen sich Ihre leiblichen Kinder. Stirbt anschließend Ihr Mann, gehen Ihre leiblichen Kinder aber vollkommen leer aus, weil sie als seine Stiefkinder nach der gesetzlichen Erbfolge keine Ansprüche anmelden können. Die leiblichen Kinder Ihres Ehepartners dagegen erben Ihr halbes Vermögen und das Vermögen Ihres Mannes. Falls Ihr Partner zuerst stirbt, verhält es sich umgekehrt.

herMoney Tipp:

Ein Testament ist immer empfehlenswert. Wenn Sie in einer Patchworkfamilie leben, aber unverzichtbar. Lassen Sie sich gut beraten und überlassen Sie es nicht dem Zufall, ob Ihre oder die Kinder Ihres Mannes mehr erben. Eine klare Planung sorgt nicht nur für Gerechtigkeit, sondern verhindert auch einen Familienzwist!

Steuern beachten!

Sie haben ein Testament aufgesetzt – und die Rechnung hoffentlich nicht ohne den Staat gemacht! Denn der erbt mit und könnte Ihre Pläne unter Umständen durchkreuzen. Wenn Sie verheiratet sind und gemeinsame Kinder haben, ist das weniger wahrscheinlich. Denn Kinder und Ehepartner genießen hohe Freibeträge und versteuern das, was darüber hinausgeht, zu einem niedrigen Steuersatz. Wenn Sie sehr vermögend sind, könnten Sie darüber nachdenken, die Steuerlast durch frühzeitige Schenkung zu reduzieren.

Leben Sie dagegen alleine oder ohne Trauschein mit Ihrem Partner zusammen, fallen beim Erben eventuell hohe Steuern an.

herMoney Tipp:

Auch wenn Sie ohne Trauschein seit Jahren eine glückliche Partnerschaft leben: Denken Sie über eine Hochzeit nach. Durch eine Ehe können Sie den Freibetrag des Partners (und Ihren eigenen!) von 20.000 Euro auf 500.000 Euro erhöhen. Lassen Sie sich auf jeden Fall gut beraten, damit Sie Ihren Nachlass auch steuerlich sinnvoll regeln können.

Patientenverfügung: Nur gut im Kombipack

Können Sie sich vorstellen, über Leben und Tod eines geliebten Mitmenschen entscheiden zu müssen? Gewissenskonflikte sind dann wohl programmiert. Wenn Sie Ihren Partner oder Ihre Kinder nicht in eine solche Situation bringen möchten, sollten Sie vorsorgen. Die Amerikanerin Terri Schiavo hatte das nicht gemacht. 15 Jahre lang lag sie im Wachkoma, bevor Ihr Ehemann vor Gericht das Recht erkämpfte, die künstliche Ernährung einstellen zu lassen. 13 Tage später war Terri Schiavo tot. Der Fall führte auch in Deutschland zu einer hitzigen Diskussion über die Rechte eines Menschen am Ende des Lebens.

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht erstellen

Sie können vorsorgen und Ihren Angehörigen schmerzhafte Entscheidungen (und juristische Auseinandersetzungen) ersparen, indem Sie eine schriftliche Patientenverfügung erstellen. Darin können Sie regeln, welche medizinischen Maßnahmen Sie sich – etwa nach einem schweren Unfall, bei einer unheilbaren Krebserkrankung oder in anderen Extremsituationen – wünschen. Und welche eben nicht.

Damit die Ärzte sich im Ernstfall an die Vorgaben halten, sollten Sie zudem einer Person Ihres Vertrauens eine sogenannte Vorsorgevollmacht überreichen. Damit lassen sich die Anordnungen auch dann durchsetzen, wenn Sie selbst sich nicht mehr äußern können. Wichtig ist es zudem, die eigenen Anordnungen etwa alle fünf Jahre zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen – schließlich kann sich die eigene Einstellung zum Leben ebenso ändern wie das Vertrauensverhältnis zu dem einen oder anderen Mitmenschen.

Eine Vorsorgevollmacht muss grundsätzlich schriftlich erteilt und dem Bevollmächtigten ausgehändigt werden. Nur so kann sich dieser im Ernstfall legitimieren. Ganz Akkurate lassen die Urkunde vom Notar beurkunden. Sinnvoll ist es zudem, Vorsorgedokumente und die Patientenverfügung im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrieren zu lassen. So ist in jedem Fall sichergestellt, dass Behörden und Ärzte im Ernstfall darauf zugreifen können. Dieses Verfahren kostet einmalig 13 bis 15 Euro.

herMoney Tipp:

Sichern Sie Ihre Liebsten ab – aber denken Sie auch an sich selbst! Besprechen Sie offen mit Ihren Lieben, was im Fall der Fälle zu tun ist und sorgen Sie dafür, dass auch sie eine Patientenverfügung plus Vorsorgevollmacht hinterlegen!

Beitrag teilen:

Passende Artikel aus unserem Magazin:

YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?