Bin ich konservativ, chancenorientiert oder spekulativ? Eine Forschergruppe hat einen Risikosimulator für die Geldanlage entwickelt.

Wenn die Bedienung in einem thailändischen Restaurant fragt, ob man das Curry weniger scharf, mittelscharf oder sehr scharf möchte, kommen viele Gäste ins Grübeln. Was heißt schon weniger scharf, mittelscharf oder sehr scharf? Für manchen mag ein Curry mit einer Peperoni (Capsaicin-Gehalt von ca. 50mg pro kg) schon sehr scharf sein. Für andere hingegen ist ein Curry erst sehr scharf, wenn es mindestens eine Habanero (Capsaicin-Gehalt von ca. 15.000 mg pro kg) beinhaltet. So unterschiedlich Menschen Schärfe empfinden, so unterschiedlich nehmen sie auch Risiken war. Was also ist die geeignete (Risiko)Mischung des eignen Portfolios?

In der Finanzindustrie gibt es viele Risikomaße: die Volatilität, die Verlustwahrscheinlichkeit oder den vergangenen minimalen bzw. maximalen Ertrag. Nach einer Direktive der Europäischen Union werden Finanzprodukte in sieben Risikoklassen eingeteilt, welche in den wesentlichen Anlegerinformationen (KID) ausgewiesen werden. Die Einteilung in eine Risikoklasse erfolgt dabei auf Basis der Volatilität des Produktes, also der Schwankung der Renditen, in den vergangenen fünf Jahren. Ein Aktienfonds mit einer historischen Volatilität von 20%, vergleichbar mit dem DAX, würde beispielsweise in die Risikoklasse 6 eingeteilt. Aber hilft die bloße Beschreibung des Risikos einem Anleger bei der Zusammenstellung seines Portfolios?

Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass Anleger die Volatilität bei ihren Entscheidungen unterschätzen oder sogar ignorieren. In einer experimentellen Studie der Universität Mannheim wurden Teilnehmer zunächst in zwei Gruppen eingeteilt. Die Teilnehmer mussten entscheiden, wie viel eines zuvor festgelegten Betrags sie in eine risikoreiche und eine risikolose Anlage investieren wollen. In der ersten Gruppe war das Risiko der riskanten Anlage allerdings nur halb so groß wie in der zweiten Gruppe. Würden sich Anleger konsistent entscheiden, d.h. eine feste Volatilität für ihr Portfolio anstreben, müssten sie im ersten Fall doppelt so viel in die riskante Anlage investieren wie im zweiten Fall, um ein vergleichbares Portfoliorisiko zu erhalten. Die Studie zeigt jedoch, dass die Teilnehmer in beiden Fällen einen sehr ähnlichen Betrag in die riskante Anlage investieren. Eine rein deskriptive Beschreibung von Risiko mittels der Risikomaße verleitet Anleger also nicht zu konsistenten Entscheidungen.

Die Lösung für dieses Problem können sogenannte Risikosimulationen sein. Ähnlich wie Piloten in einem Flugsimulator das Gefühl des Fliegens erfahren, können Investoren mit Hilfe von interaktiven Risikosimulationen mehr über Investitionsrisiken lernen. Dies funktioniert wie folgt: Zunächst gibt der Investor einen Anlagebetrag, seine Risikobereitschaft und den Anlagehorizont an. Die Simulation generiert dann Schritt für Schritt potenzielle Endvermögen. Wenn Investoren ihre Risikobereitschaft erhöhen oder verringern passt sich die Verteilung des Endvermögens dem jeweiligen Risikoniveau an. Ein Beispiel für einen solchen Risikosimulator finden Sie unter http://simulator.behavioral-finance.de/. Dort erfahren Sie am Ende auch die Risikoklasse (nach KID), die Ihrer Portfolioallokation entsprechen würde.

 

Autorin: Dr. Christine Laudenbach ist Assistant Professor am Lehrstuhl für Personal Finance an der Goethe Universität in Frankfurt und forscht über die Analyse von Finanzentscheidungen von Privathaushalten. Sie ist Mitglied des „ARERO“-Teams der Prof. Weber GmbH, die das Konzept von „ARERO – Der Weltfonds“ entwickelt hat. Mehr dazu unter www.arero.de.

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