Der Staat beteiligt sich an Ihrer Altersvorsorge. Aber lohnt sich das „Riestern“  wirklich? Und wenn ja: Welcher Vertrag passt zu wem?

Es klingt ganz simpel: Einen Riester-Vertrag abschließen und Zulagen oder Steuervergünstigungen vom Staat kassieren. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, merkt schnell: Ganz so simpel ist es nicht. Riester-Verträge sind nicht nur umstritten – zu teuer, zu kompliziert und an zu viele Bedingungen geknüpft, sagen die Kritiker. Darüber hinaus gibt es nicht den einen Vertrag, sondern gleich fünf verschiedene Produkt-Varianten, die sich deutlich voneinander unterscheiden. So können Sie per Banksparplan, per klassischer- oder fondsgebundener Rentenversicherung, per Fondssparplan oder aber per „Wohn-Riester“ von den Zulagen des Staates und gewährten Steuervorteilen profitieren. Ob die geförderte Altersvorsorge zu Ihnen passt und welche Variante Sie wählen, ist abhängig von Ihrer Risikoneigung und auch davon, wie Sie sonst in Sachen Altersvorsorge aufgestellt sind.

Rechnet sich Riester?

Mit der Rentenreform 2001 wurde die Senkung der gesetzlichen Rente beschlossen und als Ausgleich dafür die staatlich geförderte Riester-Rente eingeführt. Es sollte ein großer Wurf werden. Und dann das: Die Rendite der Riester-Rente werde für viele Sparer nicht besser sein, als wenn sie ihr Geld in einen Sparstrumpf stecken würden, prognostizierten Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Nach anfänglichem Run auf die Policen gab es im vergangenen Jahr erstmals mehr Kündigungen als Neuverträge – jeder fünfte Riester-Vertrag wird gar nicht mehr bedient. Dr. Mechthild Upgang, die nicht ausschließlich, aber mehrheitlich Frauen in Sachen Finanzen berät, kann die generelle Schelte nicht verstehen. „Besser einen Spatz in der Hand als gar nichts“, urteilt die Finanzexpertin. Zwar sei mit Aktiensparplänen unter Umständen eine höhere Rendite möglich, aber, so ihre Erfahrung, viele Frauen halten diese Form des Sparens nicht über Jahrzehnte durch – und gingen deshalb am Ende oft leer aus. Ein günstiger Riester-Vertrag, der über 30 Jahre angespart wird, sei vielfach die bessere Lösung.

„Sie müssen nicht riestern, aber Sie sollten“, empfehlen Spezialisten der Verbraucherzentralen. Vor allem Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Geringverdiener profitieren von den Zulagen, während Gutverdiener von den Steuervorteilen profitieren (siehe Checkliste).

Riestern, aber wie?  

Beim Abschluss haben Sie die Qual der Wahl. Lohnt sich ein Wohn-Riester für Sie oder sollten Sie lieber auf eine klassische Riester-Rentenversicherung setzen? Bevor Sie sich langfristig festlegen, sollten Sie sich über Ihre Ziele im Klaren sein und die Besonderheiten der unterschiedlichen Sparformen kennen.  Eines haben alle Riester-Varianten gemein: Sie geben die Garantie, dass zumindest alle Einzahlungen und Zulagen zu Beginn der Rente als Kapital zur Verfügung stehen. Die verschiedenen Gattungen der Riester-Verträge haben jedoch spezifische Vor- und Nachteile:

Versicherungspolice: Die  Standardlösung

Sie können einen Riester-Vertrag als klassische Rentenversicherung wählen – unter allen Verträgen sind sie am häufigsten vertreten. Mit dem Niedrigzins sind die Renditeaussichten allerdings gering – viel mehr als die beim Vertragsabschluss garantierte Rente können Riester-Sparer deshalb nicht erwarten. Die Mindestverzinsung bei Neuverträgen liegt seit Anfang des Jahres bei 0,9 Prozent.

Höhere Gewinne sind dagegen mit fondsgebundenen Rentenversicherungen  möglich. Sie eignen sich in erster Linie für jüngere Anleger, die Aktienmarktrisiken durch einen langen Anlagehorizont reduzieren können. Eine Mindestverzinsung gibt es bei dieser Produktvariante allerdings nicht. Bei beiden Versicherungslösungen müssen Sie vor allem auf die Kosten achten. Sie variieren von Anbieter zu Anbieter enorm – und hohe Kosten reduzieren die Renditeerwartung. Ein Kostenvergleich ist vor Abschluss Pflicht. Einen Überblick geben Vergleichsportale oder aber beispielsweise Finanztest der Stiftung Warentest.

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