In einer Partnerschaft geben viele Frauen die Eigenverantwortung ab. Warum das riskant ist, erklärt Finanzexpertin und Autorin Helma Sick.

Liebe ja, Verstand ausschalten nein!

Lieber jetzt unromantisch als später arm! Das ist einer meiner Lieblingssätze und ich finde, den sollte sich jede Frau besonders gut merken. Romantische Gefühle sind wunderbar! Aber muss man deswegen auch gleich den Verstand ausschalten?

Ich erlebe immer wieder, dass selbst intelligente und beruflich erfolgreiche Frauen von ihrem Verstand keinen Gebrauch mehr machen, wenn es um  romantische Gefühle geht. Viele Frauen steigen zum Beispiel ohne jede Absicherung für viele Jahre aus dem Beruf aus, wenn ein Kind kommt. Immer im Vertrauen darauf, dass gerade ihre Ehe/Partnerschaft ein Leben lang hält und sie darüber versorgt sind.

Kaum eine Frau kommt auf die Idee, mit ihrem Partner zu besprechen, wie der Rentenausfall ausgeglichen werden kann, den sie durch Elternzeit sowie die über Jahre angelegte Teilzeitarbeit mit „Zuverdienstcharakter“ zu erwarten hat.

Stattdessen legen viele Frauen in so einer Situation lieber ihren eigenen Altersvorsorge-Sparplan still. Der Mann dagegen zahlt selbstverständlich weiter in seine Verträge ein. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen: Frauen arbeiten häufig auf Minijob-Basis, obwohl 15 Jahre Minijob eine spätere Rente von gerade mal 70 Euro bringen. Sie unterschreiben immer wieder Kreditverträge ihres Partners, weil die Bank es verlangt – ohne darüber nachzudenken, dass sie für die GESAMTEN Schulden haften, wenn der Partner zahlungsunfähig ist. Frauen laufen in Gelddingen oft ungebremst ins Risiko – obwohl sie doch eigentlich beim Geldanlegen weitaus vorsichtiger als Männer sind. Bei der Geldanlage scheuen Frauen auch sinnvolle Risiken; in Partnerschaften dagegen sind sie bereit, völlig unkalkulierbare Risiken einzugehen.

Risiko Ehe und Partnerschaft

Woran liegt´s? Da werden monatelang Hochzeitsfeste bis ins kleinste Detail geplant und festgelegt. Aber was es bedeutet, eine Ehe, eine Partnerschaft einzugehen, welche Rechte und welche Pflichten daraus entstehen, scheint sekundär – daran mag kaum jemand denken und offensichtlich ist kaum jemand bereit, sich darüber zu informieren.

Ein Beispiel dafür ist das Unterhaltsrecht, das 2008 reformiert wurde. Danach gibt es in der Regel keinen nachehelichen Unterhalt mehr, wenn keine Kinder unter drei Jahren zu versorgen sind. Dieses Gesetz, das besonders Frauen betrifft, wird von vielen Frauen nicht zur Kenntnis genommen. Das bestätigen so gut wie alle, die beruflich mit Frauen zu tun haben wie z.B., Fachanwältinnen für Familienrecht.

Ein existenzielles Risiko gehen unverheiratete Frauen in Partnerschaften ein, wenn sie wegen der gemeinsamen Kinder längere Zeit aus dem Beruf aussteigen. Denn anders als bei Eheleuten gibt es bei Trennung keinerlei Anspruch auf Zugewinnausgleich oder Versorgungsausgleich und auch nicht auf Unterhalt. Verstirbt der Partner und gibt es kein Testament und keinen Erbvertrag, erben seine Verwandten bzw, die gemeinsamen Kinder. Deshalb ist es hier besonders wichtig, in einem Partnerschaftsvertrag die wichtigsten Dinge für den Fall der Trennung oder des Todes des Partners zu regeln.

Spreche ich diese Themen an, dann höre ich häufig: Wir lieben uns! Eine Beziehung ist doch kein Wirtschaftsunternehmen. Dabei ist es doch so: Jedes Paar, das zusammen lebt, ist auch wirtschaftlich miteinander verbunden. Da gibt es die Wohnung, für die Miete gezahlt wird, es gibt gemeinsame Ausgaben. Beide verdienen Geld, legen es an, bauen – hoffentlich – Altersvorsorge auf. Eventuell wird ein Immobilienkauf geplant und und und.

Vernunft und Romantik sollten einher gehen

Natürlich ist es nicht besonders romantisch, schon zu Beginn einer Beziehung über Geld zu reden, sich über die Aufgabenverteilung in der Partnerschaft auseinander zusetzen oder gar an Trennung zu denken. Aber es ist vernünftig und es ist notwendig.

Denn in guten Zeiten ist es leichter, Vereinbarungen zu treffen, die in schlechten Zeiten mehr als hilfreich sind. Ist der Worst Case, der schlimmste Fall,  erst einmal eingetreten, die Liebe also dahin, besteht erfahrungsgemäß kaum mehr eine Möglichkeit, mit dem Partner faire Regelungen zu treffen.

„Hope for the best, prepare fort the worst“ heißt ein englisches Sprichwort.  Also auf das Beste hoffen, aber auf das Schlimmste vorbereitet sein. Ist das nicht ein sehr gutes Motto für ein Frauenleben?

Ihre Helma Sick

Ein Mann ist keine Altersvorsorge (herMoney)

Finanzberatung für Frauen ist ihr Beruf – vor allem aber ihre Berufung. Bereits 1987 hat Helma Sick das Unternehmen frau & geld gegründet und war damals mit dieser Idee allein auf weiter Flur. Tausende von Frauen hat Helma Sick mit ihren Kolleginnen seitdem zur Vermögensplanung, existenziellen Absicherung und Altersvorsorge beraten. Als Brigitte-Kolumnistin und auch als Buchautorin („Ein Mann ist keine Altersvorsorge – warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen so wichtig ist.“) bringt Helma Sick vielen Frauen die Bedeutung finanzieller Lebensplanung nahe und vermittelt das nötige Basiswissen dazu.

Kommentare