Fonds sind praktisch und bieten eine breite Streuung des investierten Geldes. Aber was zeichnet gute Fonds aus und welche passen zu mir?

Kaufen, schlafen legen – und reich wieder aufwachen: Das hatte der 1999 verstorbene Börsenguru André Kostolany einst als gutes Rezept für die langfristige Aktienanlage propagiert. Auch bei Fondsinvestments wäre eine solche Strategie wünschenswert. Anstatt auf der Suche nach vermeintlichen Gewinnern von morgen permanent umzuschichten, picken Sie sich lieber ein paar gute Fonds raus, die Sie über einen längeren Zeitraum konsequent besparen können. Das senkt die Kosten – „hin und her macht Taschen leer“ heißt es schließlich an der Börse. Und es schont wahrscheinlich auch Ihre Nerven. Bei der Auswahl sollten Sie folgendes beachten:

1. Fonds-Strategie: Aktien oder Renten?

Wofür möchten Sie Geld anlegen? Wie viel Spielraum haben Sie und wie viel Zeit bleibt, bis Sie das Geld brauchen? Je nach Anlagezeitraum und Risikotoleranz können Sie Rentenfonds (defensiv), gemischte Fonds (ausgewogen) oder Aktienfonds (offensiv) ansparen bzw. kombinieren. Je höher der Anteil an Anleihen in Ihrem Depot, desto weniger Schwankungen sind zu erwarten. Allerdings fällt im Gegenzug in der Regel auch die Rendite geringer aus. Andersherum gilt: Je höher die Aktienquote, desto höher die Schwankungen, aber auch die zu erwartende Rendite. Je mehr Zeit Sie für den Vermögensaufbau haben, desto mehr Risiken können Sie nehmen – schwache Börsenphasen sitzen Sie dann einfach aus!

2. Anlageregionen: Wie stelle ich mich auf?

Wer mit dem Vermögensaufbau beginnt, sollte sich nicht gleich auf „Exoten“ stürzen, sondern zunächst einmal die wichtigsten Anlageregionen abdecken. Wichtigster Anlagemarkt mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent am weltweiten Börsenwert (Marktkapitalisierung) sind die USA. Wer viel finanziellen Spielraum hat, kann mehrere Fonds mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten (z.B. USA, Europa, Deutschland sowie Japan oder China) ansparen und selbst Exoten (z.B. asiatische Tigerstaaten) beimischen. Wer weniger Spielraum hat, startet eventuell mit einem global investierenden Fonds, für den das Management  aus allen Anlageregionen aussichtsreiche Titel wählt.

Übrigens: Die deutsche Wirtschaft ist stark, aber sich beim Investieren ausschließlich auf deutsche Unternehmen zu beschränken, ist riskant. Besser ist es, breit zu streuen und auch die Anlagechancen in anderen Regionen zu berücksichtigen.

3. Fondsqualität: Woran kann ich mich orientieren?

In positiven Marktphasen ist es für Fondsmanager leicht, Rendite für ihre Anleger zu erzielen. In Korrekturphasen dagegen trennt sich die Spreu vom Weizen. Gute Fondsmanager können gegen den Markttrend zwar auch keine großen Gewinne einfahren, aber immerhin den Schaden begrenzen. Die Korrektur im Fonds sollte also geringer als die Korrektur des Marktes ausfallen.

Bitte vergleichen Sie aber bei der Fondsauswahl niemals Äpfel mit Birnen! Jede Anlageklasse und jeder Markt folgt eigenen Gesetzen. Bei der Fondsauswahl innerhalb einer Gattung helfen Rankings und Ratings – zum Beispiel von der Stiftung Warentest (Finanztest) oder von der Ratingagentur Morningstar. Finanztest ermittelt jeweils ein Chance-Risiko-Profil für Fonds einer Gattung und vergibt Punkte zwischen 5 („stark überdurchschnittlich“ – die besten zehn Prozent der Fonds) und 1 („stark unterdurchschnittlich“; die schlechtesten zehn Prozent der Fonds einer Gattung.)

Die Ratingagentur Morningstar vergibt dagegen für Fonds, die mindestens drei Jahre auf dem Markt sind, sogenannte Morningstar-Sterne. Hier fließt die Kursentwicklung über unterschiedliche Zeiträume im Vergleich zu anderen Fonds einer Gattung in die Bewertung ein. 5 Sterne erhalten die die Top-Fonds, also die besten zehn Prozent einer Kategorie; gerade einmal einen Stern gibt es dagegen für die schlechtesten zehn Prozent.

4. Risiko-Kennziffern: Wie viel Risiko nimmt das Management in Kauf?

Der eine fährt gleichmäßig Tempo 100; der andere beschleunigt gerne mal auf 220 und wird auf der Strecke immer wieder ausgebremst. Unter dem Strich kommen vielleicht beide in fünf Stunden von A nach B – aber ihr Fahrstil unterscheidet sich beträchtlich. Ähnliche Unterschiede gibt es bei Fonds. Da mögen zwei Fondsmanager auf lange Sicht eine annähernd gleiche Anlageergebnisse (Performance) erwirtschaften, aber der eine erreicht sein Ziel ohne große Schwankungen, der andere dagegen positioniert sich offensiv und setzt auf starke Kursanstiege – und setzt sich damit auch dem Risiko heftiger Kurskorrekturen aus. Mit ein paar Risikokennziffern können Sie beim Fondsvergleich erkennen, zu welcher Kategorie ein Fonds zählt.

* Die Volatilität misst die Schwankung des Fondskurses um einen Durchschnittswert. Je höher die Volatilität, desto höher das Kursrisiko des Fonds.

* Die sogenannte Sharpe-Ratio ist eine etwas komplizierte Messzahl, die das Rendite-Risiko-Verhältnis eines Fonds spiegelt. Für die Berechnung wird das Renditeplus eines Fonds gegenüber dem risikolosen Zins ermittelt – und durch die Volatilität dividiert. Zu kompliziert? Stimmt. Was Sie sich dennoch merken sollten: Eine hohe Shape-Ratio spricht dafür, dass sich das Risiko des betreffenden Fonds lohnt.

* Der maximale Verlust zeigt den höchsten Verlust innerhalb eines längeren Zeitraums an. Je höher dieser maximale Verlust, desto riskanter ist die Fondsanlage.

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